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Hochzeit in Las Vegas

Jedes Jahr geben sich etwa 120.000 Paare in Las Vegas das Jawort, darunter auch cirka 2.000 Paare aus Deutschland, Österreich und der Schweiz. Woman In The City sprach mit Gudula und Jürgen Wilhelm aus Berlin, die in Las Vegas geheiratet haben. Die Geschichte einer ganz privaten Zeremonie – nur mit den besten Freunden und ohne den üblichen Hochzeitsstress. Ein Rückblick.

Wenn gleich die Hochzeit der beiden schon 14 Jahre zurück liegt, viel geändert hat sich nicht für Heiratswillige, die sich im wohl bekanntesten US-amerikanischen Spielermekka trauen lassen möchten. Vielleicht ist es einfacher geworden. Zahlreiche Online-Services, darunter auch deutsche Websites halten die passenden Rundum-Sorglos-Pakete parat, sodass man von Deutschland aus im Vorfeld alles bequem planen kann. Von der Wahl der „Wedding Chapel“ über die Hawaii-Zeremonie bis zum Package mit Elvis Imitator in Kombination mit der sich anschließenden Hochzeitsreise. Only the sky is the limit – alles ist möglich.

Wer von den beiden die Idee hatte, in Las Vegas vor den Traualtar zu treten, daran kann sich Jürgen Wilhelm (56) heute nicht mehr genau erinnern. Aber daran, dass er seiner Gudula (46) einen ebenso romantischen wie klassischen Antrag gemacht hat: mit Verlobungsring und Anhalten um die Hand seiner Liebsten bei deren Mutter. Kennengelernt hat sich das Paar an einer Bushaltestelle auf der Berliner Clayallee. Weil Gudula keine Lust hatte, auf den Bus zu warten, hielt sie den Daumen raus, um zu trampen. Ihr späterer Ehemann hielt an, nahm sie mit und gab ihr seine Visitenkarte. Es funkte. Das war 1994. Ein Jahr später verlobten sie sich und am 1.1.1996 gaben sie sich das Jawort. „Gudula wollte eigentlich gar nicht heiraten“, erinnert sich Jürgen. Vielleicht war es der romantische Antrag oder die Option auf Las Vegas – schließlich willigte sie ein. Geplant war ein Road-Trip durch die USA von Ost nach West, mit Stop Over in Las Vegas – als so eine Art „Wedding Drive In“. „Wir beschlossen damals, diese Reise zu unternehmen und wenn wir in Las Vegas ankommen und uns dann noch mögen, dort zu heiraten“, erzählt Gudula lachend, „aber wie das so ist mit Plänen, es kommt meistens anders.“

Gemeinsame Freunde, ein Paar aus Hamburg sowie John und Cecily, Freunde aus Los Angeles sollten die Trauzeugen sein. Sie waren sofort begeistert. Mit der Einbindung der Freunde zerschlug sich allerdings auch die ursprüngliche Idee, einfach auf der Durchreise zu heiraten. Die Freunde bestanden auf einem festen Termin. „Unser Freund John informierte sich, welches das stilvollste Kirchlein dort ist“, erzählt der damalige Bräutigam. Die Wahl fiel auf The Little Church Of The West, eine sehr bekannte Kirche. Sie existiert seit 1949. Elvis Presley trat dort in einem seiner Filme vor den Traualtar. Es galt als schick, in dieser altehrwürdigen Church zu heiraten und so war es nicht ganz einfach, einen Termin zu erhalten. Die Hochzeiten finden dort im Viertelstundentakt statt. Schließlich stand der Termin, die Flugtickets waren gebucht und das Hotel reserviert. „Wir starteten in New York mit unserer Reise, fuhren aber, da das Wetter so schlecht war, nach Süden bis Key West. Als dann auch in Florida die Schneeflocken fielen, entschieden wir uns, mit dem Flugzeug nach Las Vegas zu reisen.“

Zur Eheschließung benötigt man einen gültigen Pass und eine „Marriage Licence“ – eine Lizenz zum Heiraten. „Die haben wir vor Ort beantragt. Wir mussten nur ins Rathaus gehen. Da gab es zwei Warteschlangen – eine lange Schlange in der die Leute wegen ihrer Verkehrssünden - vornehmlich Parkverstöße - standen und eine kurze, wo es die Wedding Licence gab“, erinnert sich Jürgen Wilhelm weiter. In den USA ist es ja nicht üblich, Silvester mit einem großen Feuerwerk zu begehen. Irgendwo in Georgia hatten wir mit Mühe einige Feuerwerkskörper erstanden. Am Silversterabend, dem Tag vor unserer Trauung fuhren wir aus Las Vegas raus, um ganz privat das neue Jahr zu begrüßen. Die erstandenen Feuerwerkskörper waren allerdings ein Witz – das würde bei uns nicht mal als Tischfeuerwerk durchgehen“, sagt der Berliner. „Da kam nur so ein schwarzer Wurm raus, einer sprühte verhalten Funken und sonst hat’s nur gestunken.

Eigentlich wollte das Paar in ganz normaler Straßenkleidung vor den Traualtar treten – schon ein bisschen schicker, aber nicht in Smoking und Brautkleid. Man unterstellt Frauen ja oft, sie seien launisch. Ob es sich dabei um eine Laune handelte ist nicht bekannt, aber vor der Trauung lieh sich die Braut kurz entschlossen doch noch ein Hochzeitskleid. Die entsprechenden Shops gibt es dort an jeder Ecke. „Erst wenige Minuten vor der Hochzeit erzählte mir Gudula von dem Brautkleid“, so der Bräutigam. „Es war keine Zeit mehr, mir noch einen Smoking zu leihen. Das war zwar keine Katastrophe, aber verwirrend.“ Die Zeremonie in englischer Sprache dauerte gut 15 Minuten. Blumen, Musik und eine Fotografin, die das Paar nebst Trauzeugen ablichtete, waren im Hochzeitsarrangement enthalten. Selbst filmen oder Fotografieren darf man in der Wedding Chapel nicht, da dies eine der Haupteinnahmequellen der Kapellen ist. Die frisch Vermählten erhielten eine hübsche Heiratsurkunde und dann wurde gefeiert.

Die Kapelle oder die Organisation bei man getraut wurde muss die Heirat innerhalb von 10 Werktagen im Clark County Government Center Las Vegas registrieren lassen. Nach der Registrierung muss das Paar eine beglaubigte Kopie des registrierten Trauscheins (Certified Copy of Marriage Certificate) beantragen. Wenn man nicht so lange in Las Vegas ist, kann man das auch später von zu Hause aus tun. Zuletzt benötigt man noch eine Beglaubigung (Apostille) – welche die Echtheit der Heiratsurkunde bestätigt. „Dafür haben wir einen Service vor Ort genutzt, der das für uns erledigte. Die Urkunde ist übrigens wunderschön, mit einem großen, silbernen Siegel vom Staat Nevada“, schwärmt Gudula. „Diese offizielle Beglaubigung muss innerhalb von 14 Tagen nach Eheschließung erfolgen. Es gibt auch so was wie ein Rücktrittsrecht innerhalb dieser Frist“, ergänzt Jürgen augenzwinkernd. Vielleicht nicht unwichtig, wenn man(n) sich dort Hals über Kopf in eine Strip-Tänzerin verliebt und (liebes-)trunken vor dem Altar einer Wedding Chapel landet. Die Apostille wird in Carson City Nevada ausgestellt. Aber wie bereits erwähnt, muss man sich nicht persönlich darum kümmern. Überhaupt: Wer keine wertvolle Urlaubszeit mit der Beantragung von Papieren verschwenden will, nutzt beispielsweise den Onlineservice von S.F.J. Las Vegas (Las Vegas Wedding Service). Damit die Ehe in Deutschland anerkannt wird, muss bei den deutschen Behörden die beglaubigte Kopie des registrierten Trauscheins sowie die Apostille vorgelegt werden. Manche Standesämter verlangen zusätzlich eine deutsche Übersetzung der Urkunden. Auch die Namensregelung wird erst in Deutschland getroffen.

Stünden Gudula und Jürgen Wilhelm nochmals vor der Entscheidung einen Ort für ihre Trauung auszusuchen, die Wahl fiele wieder auf Las Vegas. Das „Warum“ erklärt Jürgen so: „Es ist eine Angelegenheit zwischen zwei Leuten, die sich lieben. Absolut stressfrei. Man muss keinen „Wedding Planner“ beauftragen, sich keine Gedanken machen, wen man einlädt und wen nicht. Vermutlich gibt es nicht wenige Paare, die sich bei der Planung in die Haare bekommen und schließlich von der ganzen Organisation total geschafft sind. Unsere Familien waren über unsere Entscheidung zwar etwas sauer, aber für uns war es ein ganz tolles privates Fest mit unseren besten Freunden, woran wir uns sehr gern erinnern. Und den Ablauf in Las Vegas kann man nur als professionell bezeichnen.“ Und letztlich befindet sich das Berliner Ehepaar mit seiner Hochzeit in Las Vegas in bester Gesellschaft. Auch Weltstars, wie Frank Sinatra, Joan Collins, Paul Newman, Demi Moore und Bruce Willis sowie Britney Spears heirateten im quirligen, never sleeping Las Vegas - der Stadt im Wüstenstaat Nevada mit ihren Glücksrittern, Stars und Sternchen.

Ausgabe 01-2011

 

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