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Rauschen im Policenwald

Weniges ist langweiliger als sich mit Altersvorsorge und Versicherungen zu beschäftigen. Kann sich aber lohnen, denn vielleicht schlummert dort das Kapital für die nächste Staffel von Sex and the City.

Jedes Jahr die gleiche Leier: Für die Steuererklärung werden die Policen über Altersvorsorge und Versicherungen herausgekramt. Günstigstenfalls sind die Pappen hübsch verpackt im Ordner oder sie fristen ihr unsortiertes Dasein in einem Schuhkarton. Ist der mit einem Deckel versehen, bleibt die persönliche Absicherungszone immerhin staubfrei. Und es nagt angesichts des Haufens aus Papier das leidige Gefühl: Hat das alles seine Richtigkeit? Der Blick auf den Kontoauszug mit den monatlichen Abzügen indiziert glasklar: Bei so hohen Ausgaben muss ich eigentlich überversichert sein!! Oder doch nicht? Da muss Ordnung rein.

Was ist da?

Mit null Ahnung, aber jeder Menge Papier unter dem Arm geht es zum Finanzcheck der Sparkasse. Schritt eins: Bestandsaufnahme. "Früher waren die Menschen mit ihren Geldangelegenheiten bei einer Bank", erklärt Mareike Lüking, stellvertretende Geschäftsstellenleiterin der Sparkasse in Bochum-Werne, "heute haben die meisten einen Vorsorge- und Versicherungs-Cocktail bei unterschiedlichen Anbietern und in verschiedenen Bereichen." Also werden Ordner oder Schuhkarton gesichtet. "Bevor wir die Kunden richtig beraten können, müssen wir sie so gut kennenlernen wie möglich", sagt Lüking. Dazu gehören auch die persönliche Lebenssituation, Pläne für die Zukunft, Träume, die auf Verwirklichung warten. Ob denn generell Interesse bestehe, Immobilien zu erwerben, als Altersvorsorge etwa? – Nein, in der Hinsicht gibt es keine Ambitionen! Sonst wäre vielleicht eine staatliche Förderung möglich gewesen. Wie sieht es aus mit Wertpapieren? – Ach, von dieser Börsen-Bande hört man ja auch nicht viel Gutes! Lüking lacht: "Vielen machen die zurzeit schwankenden Märkte Angst. Dabei ist die Zeit günstig, ins Geschäft einzusteigen". Schließlich gehe es den meisten Unternehmen im Augenblick recht gut.

Vermögenscheck

Potzblitz. Versteckt in einer Police, bis dato erfolgreich verdrängt, schlummert Kapital. Die Lebensversicherung wurde während des Studiums abgeschlossen, damit – falls plötzlich ein Unfall das Leben des Studiosus beendet hätte – nicht die Hinterbliebenen die Bafög-Schulden hätten tragen müssen. Nun ist das Bafög bald ab- und die Lebensversicherung fast komplett eingezahlt. Et voila! – Geld da. "Zudem wird ja monatlich Geld frei, sobald die Bafög-Zahlungen aufhören", bemerkt Lüking, "das kann man dann anders investieren." Okay, so gesehen.

Versicherungen

Da ist diese sündhaft teure Berufsunfähigkeitsversicherung. "Aber die ist wichtig", bestätigt Lüking. Einen Abschluss über Krankentagegeld findet sie auch und nickt: "Gut, denn bei längerer Krankheit erhält man ja nur 60 Prozent des Gehalts". Krankengeld schließt die 40-Prozent- Lücke. Rechtsschutz-, Auto-, Hausrat- und Haftpflicht – alles da, alles wichtig. Lüking wird jede Police nachsehen, vielleicht bietet die Provinzial ein günstigeres Preis-Leistungs-Verhältnis. "Eigentlich sollte man einmal im Jahr alles auf Herz und Nieren prüfen, da kann man viel Geld sparen". Auch dann, wenn sich die Lebensumstände ändern, lohnt der Gang zum Berater. "Viele Paare denken nicht daran, dass sie bestimmte Versicherungen doppelt abgeschlossen haben".

Altersvorsorge

Ein bisschen geriestert wird. "Vielleicht kommt ja auch eine betriebliche Altersvorsorge in Betracht", überlegt Lüking. Behände blättert sie noch einmal durch den Policenwald. "Ich werte alles aus und gebe Bescheid." Aber der beste Satz für Reiselustige, Genussfreudige, Label-Tragende und PS-Verliebte kommt zum Schluss: "Wir werden schon die richtige Balance finden. Denn es nützt ja auch nichts, wenn heute so viel vorgesorgt wird, dass kein Geld mehr für den Spaß am Leben bleibt." Danke!

Text: Sabine Josten, Foto: Margit Salzmann

Ausgabe 06-2010

 

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