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Flotte(n)-Frauen

Als Arbeitgeber bietet die Bundeswehr vielfältige, interessante Arbeitsplätze mit Perspektive – zu Lande, in der Luft und auch zu Wasser. Woman In The City besuchte das 1. U-Bootgeschwader in Eckernförde und die Marineschule in Flensburg-Mürwik.

Obermaat Marina Börsch zwängt sich durch die enge Einstiegsluke des U-Bootes A 206 und strahlt. Sie hat einen außergewöhnlichen Beruf – nicht nur als Frau – aber doch als Frau im Besonderen. Ihre Tätigkeit bei der Marine setzt nicht nur hohe psychische und physische Belastbarkeit voraus, auch technisches Verständnis und eine gewisse Robustheit sind gefragt.

"Tatsächlich gibt es Nachwuchsprobleme, weil zu wenig Bewerber geeignet sind", so Kaptänleutnant und Ausbildungsoffizier Klaus Benthaus. Die Leiter führt in den Bauch des U-Bootes. Aus der winzigen Kombüse, die kleiner als ein Kinderschreibtisch ist, zieht der Duft von gebratenem Fleisch und Gemüse. "Man muss schon viele Konzessionen machen", erklärt die junge Frau. Oder wie einer ihrer Kameraden lachend einwirft, "man legt sich in das vollgefurzte Bett" eines anderen", denn geschlafen wird abwechselnd. Überhaupt ist es mit der Privatsphäre nicht weit her – schon aus Platzgründen. Weder die Kojen noch die sanitären Einrichtungen sind nach Männlein und Weiblein getrennt. Das Brot hängt in Netzen unter der Decke, jeder Platz wird bestmöglich genutzt. "Melonen kleben wir auch schon mal mit Panzertape an die U-Boot-Wand, die Bananen werden an Tampen aufgehängt". Mehr als 2-3 Mal Duschen pro Woche ist nicht drin, sonst sind die Frischwassertanks ruckzuck leer. Die Besatzung ist cirka 23 bis 25 Mann/Frau stark. "Wir sind eine kleine, nette Familie", sagt der Kapitänleutnant. Obermaat Marina ist seit 2007 mit dabei. Bevor sie sich für die Marine entschied, war sie selbständig – als Francisenehmerin mit einer Eisdiele. Ihre Liebe zur Seefahrt entdeckte sie bereits bei einem Bordpraktikum, einer einwöchigen, "schon sehr aufregenden Schülerfahrt", erinnert sie sich. Ihre Ausbildung absolvierte die Soldatin auf dem U-Boot Klasse A 212 – dem modernsten Unterseeboot der Deutschen Marine, mit einem außenluftunabhängigem Brennstoffzellenantrieb und Frischwassererzeuger. Marina ist "Lauscherin", also für die Sonartechnik ausgebildet. "Jeder hier an Bord ist auf einen bestimmten Bereich spezialisiert – aber lenzen* müssen alle können." Die Ausbildung gliedert sich grundsätzlich in eine Basisausbildung und eine Einsatzausbildung. Allein die Ausbildung auf der A 212 dauert schon ein Jahr, bei einer Verpflichtungszeit von insgesamt acht Jahren. "Ziel der Ausbildung ist, die Einsatzfähigkeit sicherzustellen und dabei die Gefahren des U-Bootfahrens zu minimieren", sagt Ausbilder Benthaus. Zum Auftrag des 1. U-Bootgeschwaders gehören Maßnahmen zur Krisenbewältigung, der Schutz von Seeverbindungen und die Sicherung der Küsten. Die Einsatzgebiete der U-Boot-Flotte sind u.a. in Norwegen, Island, den USA und im Mittelmeerraum. Zu den Aufgaben gehören auch die Nachrichtengewinnung, Überwachung und Aufklärung sowie das Verbringen von Spezialeinsatzkräften wie Kampfschwimmern und Minentauchern, die ebenfalls am Marinestützpunkt Eckernförde ausgebildet werden. "Wir proben für den Ernstfall", erklärt Obermaat Marina. Derzeit ist sie in der Systemunterstützungsgruppe, welche die Boote wartet, schiebt Wache oder springt ein, wenn jemand ausfällt. Die nächsten fünf Jahre bleibt Marina noch der Marine treu, danach möchte sie in den Öffentlichen Dienst. Bereut hat sie ihre Entscheidung für die Seefahrt keine Minute, "ich habe einen anspruchvollen, interessanten Job mit umfangreichen Aufgaben – etwas, was nicht jeder macht", sagt die junge Frau nicht ohne Stolz. Und stolz ist sie zu Recht, denn derzeit sind auf dem U-Boot der Klasse A 212 lediglich zwei Frauen im Einsatz und drei auf dem kleineren U-Boot A 206. Die Propaganda im 1. und 2. Weltkrieg nannte die U-Bootfahrer "Ritter der Tiefe". Und bis heute umweht sie ein Mythos – auf Zelluloid gebannt im Filmklassiker "Das Boot" von 1981.

Mit den Hühnern aufstehen

"Das rote Schloss am Meer", wie die Marineschule in Flensburg-Mürwik auch liebevoll genannt wird, bietet ein beeindruckendes Bild. Das Gebäude im Stil nordischer Backsteingotik thront hoch über der Flensburger-Förde. Die Marineschule ist mit dem ihr unterstellten Segelschulschiff "Gorch Fock" seit 1910 das Ausbildungszentrum der Offiziere und Offizieranwärter der Marine. In diesem traditionellen, maritimen Umfeld wird die Ausbildung mit frischem Geist, zeitgemäßen Methoden und moderner Technik gestaltet.

Schon das altehrwürdige Gebäude mit seiner umfangreichen Sammlung der 162-jährigen Marinegeschichte strahlt ein elitäres Flair aus. Die Kadetten, die in den Gängen an uns vorbei eilen, tragen große Papprollen unter dem Arm, welche Seekarten für die nautische Ausbildung beinhalten. Mürwik durchlaufen rund tausend Lehrgangsteilnehmer pro Jahr. Um die Offizierslaufbahn einzuschlagen, müssen die Bewerber das Abitur haben und sich für 13 Jahre verpflichten. Auf eine Stelle kommen acht Bewerber. Dreißig Prozent der Bewerber sind Frauen. Sie haben ein Sonderkündigungsrecht und können in den ersten sechs Monaten von heute auf morgen ihre Ausbildung abbrechen. Trotz komfortabler Unterbringung mit Seeblick geben etwa 10 Prozent der Offiziersanwärter bereits in den ersten sechs Wochen auf.

"Das liegt meist an den falschen Vorstellungen, die sich die Bewerber machen", erläutert Hauptbootsmann Maiko Lankau. In diesen ersten sechs Wochen nämlich findet die soldatische Basisausbildung statt, was u.a. bedeutet: 5.30 Uhr Wecken, anschließend Frühsport, dann Ausbildung und Unterricht, Feierabend ist gegen 21.30 Uhr. Wer eine ruhige Kugel schieben oder ausgiebig die Freizeit genießen möchte, ist hier fehl am Platz. Wenn die ersten sechs Wochen überstanden sind, geht’s zur "grünen Ausbildung" nach Plön. Hier stehen militärische Grundfertigkeiten wie die Wachausbildung, Schießen und Märsche auf dem Lehrplan. Die Seemännische Grundausbildung, ebenfalls sechs Wochen, erfolgt auf dem bekannten Segelschulschiff "Gorch Fock". An Bord wird den jungen Offiziersanwärtern grundlegendes seemännisches Handwerk vermittelt. Die Ausbildung auf dem Dreimaster soll den Teamgeist fördern. Die Kadetten ergänzen die Stammbesatzung, die das Schiff allein nicht segeln kann und sind somit von Anfang an eingebunden in die Crew. So erfahren die Kadetten auch, was es bedeutet, auf engsten Raum miteinander zu leben und zu arbeiten. Die sechswöchige nautische Ausbildung findet dann wieder an der Marineschule Mürwik statt. Hier steht auch der größte Schiffssimulator Europas. Die Ausbildung ist stark computergestützt, jeder Lehrgangsteilnehmer bekommt einen eigenen Laptop. In Mürwik wird die Schulbank gedrückt und theoretische Inhalte stehen im Vordergrund. Praktische Inhalte wie der Erwerb des Bootsführerscheins runden den Lehrgang ab. Nach einem Jahr in Mürwik geht es für 300 angehende Offiziere ins Studium an eine der beiden Universitäten der Bundeswehr. Nach dem sehr guten Mittagessen im Remter (Speisesaal) besichtigen wir noch das Kaminzimmer. Hier findet um 13 Uhr traditionell das "Rendezvous" statt, bei dem man sich auch über das weitere Tagesprogramm austauscht. Auch die Kamingespräche am Abend sind Teil der Tradition, wo wir wieder beim elitären Flair wären, das hier überall zu spüren ist. "Das rote Schloss" ist schon ein ganz besonderer Ort, an dem der Führungsnachwuchs der Bundeswehr ausgebildet wird. "Ich kann mir keine schönere Dienststelle vorstellen", sagt abschließend Hauptbootsmann Maiko Lankau. Und das glauben wir ihm aufs Wort.

Ausgabe 02/10


 

 

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