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Film ab für Lieschen Müller

Beinahe täglich flimmern Filmbiografien von Politikern, Schauspielern, Popstars und anderen Personen des öffentlichen Lebens über den Bildschirm. Die Faszination dieses Genres liegt dabei meist in dem Entwurf einer Existenz, die sich außerhalb der Norm bewegt. Aber kein Mensch erfährt je von Lieschen Müller, der kleinen Büroangestellten, die davon träumt, in den USA als Liz Miller zur höheren Gesellschaft zu gehören.

 

"Der Traum von Lieschen Müller", ein Spielfilm, der 1961 mit Sonja Ziemann in der Hauptrolle gedreht wurde, steht hier nur als Synonym für diejenigen Menschen, die nicht als berühmte Personen gehandelt werden. Dass auch ganz normale Menschen spannende, ergreifende, dramatische, komische, schöne und außergewöhnliche Geschichten zu erzählen haben, weiß niemand besser als die Kölner Regisseurin Sibylle Stürmer (46). "Warum gibt es eigentlich nur Filmbiografien über Prominente", fragte sie sich. "Viele Menschen, die nicht in der Öffentlichkeit stehen, haben ein nicht minder bewegtes Leben – oft noch viel spannender, als das der Promis". Aber niemand hält diese interessanten Lebenswege und Geschichten für die Ewigkeit fest. Nach vielen Jahren im Filmgeschäft spezialisierte sich die Kölnerin auf Filmbiografien und gründete im Mai 2009 "Mein bewegtes Leben". Behutsam begleitet sie Menschen mit der Kamera - mit dem Blick für die individuelle Persönlichkeit und fürs Detail.

"Die Realität ist immer noch schräger als alle Fiktion." (Doris Dörrie)

Auf die Idee, nicht in der Öffentlichkeit stehende Personen mit der Kamera zu begleiten, kam sie, als sie einen Film über ihren Vater machte. Er ist Keramiker und wollte eine Ausstellung vorbereiten. Sie sah ihm den ganzen Tag dabei zu, wie er Ton schlug und an der Töpferscheibe arbeitete. Abends machte Stürmer mit ihm ein Interview. Dabei beschrieb er, wie er oft als kleiner Junge seinen Vater, der ebenfalls Töpfer war, an der Drehscheibe beobachtet hatte. Wie er ihn dafür bewundert hatte, dass er einen Batzen Ton in so zarte Formen verwandeln konnte. Seine Augen leuchteten beim Erzählen und die Regisseurin war glücklich, ihren Vater so zu erleben - diesen Moment für immer festgehalten zu haben.

"Das gedrehte Material erhielt für mich und die Familienangehörigen eine zusätzliche Bedeutung, als er nach gleich nach der Ausstellungseröffnung mit einem schweren Bandscheibenvorfall ins Krankenhaus kam", erinnert sich Stürmer. "Wir wussten ja nicht, ob er jemals wieder arbeiten kann. Ich brachte ihm den gerade fertig gestellten Film ans Krankenbett. Als er sich selbst so kraftvoll und energiegeladen bei der Arbeit sah, spornte ihn das tatsächlich an, alles daran zu setzen, um wieder gesund zu werden."

Die diplomierte Regisseurin arbeitet seit 1994 als selbstständige Filmemacherin in Köln. In den Jahren ihrer Berufstätigkeit hat sie an vielen Filmbiografien u.a. für das WDR-Fernsehen mitgearbeitet – beispielsweise über Margarete Mitscherlich, Alice Schwarzer, Jürgen von der Lippe und Diether Krebs und kam dabei immer wieder auf die Frage, warum es nur über Prominente Filmbiografien gibt? Ob NS-Zeit, Wirtschaftswunderzeit oder 68er Bewegung: gerade die älteren und alten Menschen haben oft Unglaubliches erlebt. Historische Umwälzungen und die eigene persönliche Geschichte machen sie zu Zeitzeugen. Sibylle Stürmer ist neugierig auf andere Menschen und ihre Geschichten. Sie hat gelernt, dass jedes Leben erzählenswert ist. Das kleine bewegte genauso, wie das große turbulente. Mit Kameramann Dieter Stürmer, mit dem sie zwei Kinder hat, teilt sie ihr Leben und ihre Liebe zum bewegten Bild. So entsteht auch die eine oder andere Gemeinschaftsproduktion – etwa wenn ein Auftraggeber lieber einem Mann seine Geschichte erzählen möchte. "Dann führt mein Ehemann die Dreharbeiten durch", erläutert Stürmer. "Doch die meisten erzählen lieber mir, einer Frau, aus ihrem Leben."

Die Regisseurin begleitet Menschen mit der Kamera wenn sie von Ihrem Leben erzählen,

Fotos und Erinnerungsstücke zeigen, an bedeutsame Orte Ihres Lebens reisen,

Menschen begegnen, die für sie wichtig sind, ihre Familie vorstellen, einen beruflichen Erfolg feiern, ein Jubiläum begehen oder einen wichtigen Lebensabschnitt beginnen oder beenden.

Stürmer erarbeitet mit ihren Kunden ein individuelles Konzept für den ganz persönlichen Wunschfilm – für eine Reise mit der Kamera in die Vergangenheit, aber auch in die Gegenwart. Ein Film, der von wichtigen Ereignissen, Orten und Begebenheiten handelt, die den Hauptdarsteller oder die Hauptdarstellerin beeinflusst und geprägt haben. Dabei können auch Bilder und Erinnerungsstücke mit einfließen. Es entsteht ein Film, der die individuelle Lebensgeschichte eines Menschen festhält – eine Biografie, welche auch Kinder, Enkel und Urenkel interessieren wird. Schließlich ist doch nichts spannender, als die eigenen Wurzeln.

"Die Zeit verwandelt uns nicht. Sie entfaltet uns nur." (Max Frisch)

"Mein bewegtes Leben" arbeitet im kleinen Team von ein bis zwei Personen und mit leichtem Kameraequipment. Sibylle Stürmer bietet verschiedene Filmpakete an: vom 8 Minuten Film, der eine Episode aus dem eigenen Leben schildert, bis zum 45-minütigen Film, der sich aus Gesprächen mit dem Auftraggeber, ihm nahe stehenden Personen und persönlichem Archivmaterial zusammensetzt. Auch das Portrait einer Beziehung, einer Familie und deren Geschichte oder eines Unternehmens und seiner Mitarbeiter kann bei Sibylle Stürmer in Auftrag gegeben werden. Nach dem Vorgespräch wird die Filmidee in ein Konzept umgesetzt, welches die Vorgehensweise beschreibt, die Konditionen werden in einem Arbeitsvertrag festgehalten. Dabei gibt Stürmer dem Auftraggeber auch Hilfestellung bei der Vorbereitung auf das Interview. "Diskretion ist natürlich oberstes Gebot", so die Filmemacherin. "Das heißt auch, dass sämtliches Filmmaterial sowie die Nutzungsrechte komplett auf den Auftraggeber übergehen." Transparenz dem Kunden gegenüber ist für Sibylle Stürmer wichtig. So kalkuliert sie die Preise auf Basis der Drehtage. Für den Auftraggeber leicht nachvollziehbar, da er – als Hauptakteur – die ganze Zeit mit dabei ist. Bereits ab 800 Euro, Mehrwertsteuer inklusive, kann ein kleines Filmprojekt realisiert werden. "Wenn jemand eine Hubschrauberflugaufnahme vom eigenen Haus haben möchte, wird es natürlich teurer", fügt Stürmer augenzwinkernd an. Nach den Dreharbeiten wird der Film im Studio geschnitten. Wenn er fertig ist, sieht sie den Film zusammen mit ihrem Auftraggeber an. Falls nötig, werden die letzten Änderungen vorgenommen. Der Kunde erhält den Film in der gewünschten Stückzahl – hübsch verpackt in einer Schmuckschatulle, die individuell mit seinem Namen und einem selbst gewählten Zitat beschriftet ist. Das klingt auch nach einer außergewöhnlichen Geschenkidee – für Lieschen Müller, Opa, Oma oder Tante Trude und wird auf jeden Fall bezahlbar, wenn sich die Familienmitglieder zusammentun. So haben auch die Nachfahren etwas davon. Schließlich ist doch nichts spannender als die eigenen Wurzeln, insbesondere in Form eines professionell gedrehten Films.

Info: Sibylle Stürmer, Tel: 0221-96437011, www.mein-bewegtes-leben.de

"Nicht, was wir gelebt haben, ist das Leben, sondern das,

was wir erinnern und wie wir es erinnern,

um davon zu erzählen."

(Gabriel Garcia Márquez)

Ausgabe 10/09

 

 

 

 

Video - Das Gesicht 2010

Video - Das Gesicht 2009