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Nadia Raoui - "The Beauty Beast"

Zwei Frauen stehen im Ring und versuchen zwei Minuten lang, die Gegnerin zu Boden zu strecken. Für viele war das jahrelang ein gewöhnungsbedürftiger Anblick. Die Sorge um das hübsche Gesicht der Boxerinnen und die Frage, ob das Höschen zur Frisur paßt, verdrängten den Blick auf die sportlichen Leistungen der Kämpferinnen.

Lange Zeit war das Frauenboxen verpönt oder sogar verboten. Dabei wird das moderne Boxen von beiden Geschlechtern seit dem 18. Jahrhundert ausgeübt und findet in der Daily Post 1728 erstmalige Erwähnung . In Deutschland allerdings war bis zum Jahr 1918 öffentliches Frauenboxen verboten. Ab 1920 fanden im Berliner Metropol und im Berliner Friedrichstadtpalast auch Damenbox-Wettbewerbe statt, allerdings nur für kurze Zeit. Die Nazis verboten das Frauenboxen gänzlich, weil es nicht zu ihrer Ideologie paßte und es sollte viele Jahre dauern, bis wieder ein öffentlicher Frauenboxkampf stattfand.

Erst 1994 stiegen wieder Boxerinnen öffentlich in den Ring und zu dieser Zeit begann auch die Karriere jener Kämpferin, die den Frauen-Boxsport in Deutschland grundlegend verändern sollte: Regina Halmich. Damals sahen die harten und teilweise zwielichtigen Männer im Publikum Frauen lieber als attraktive Begleitung oder als Nummergirl und Halmichs erster Kampf 1995 in Las Vegas war auch kein Werbekampf für das Frauenboxen. Nach einem Treffer unter dem linken Auge blutete die Verletzung so stark, dass sie diesen Kampf durch Abbruch verlor. Trotzdem wurde sie 1995 WIBF Weltmeisterin im Jr. Fliegengewicht, allerdings blieb das Interesse der Öffentlichkeit weiterhin sehr gering. Dies änderte sich schlagartig im Jahr 2001, als Halmich in einem "Spaßkampf" gegen den TV-Moderator Stefan Raab in den Ring stieg. 7,6 Millionen Menschen sahen auf dem Fersehschirm, wie eine durchtrainierte 51-Kilo-Frau einen untrainierten 87-Kilobrocken-Mann verprügelte und ihm das Nasenbein brach.

Von da an ging es bergauf. Die Popularität des Frauenboxen stieg unaufhörlich und 2004 bestritt Halmich gegen Johanna Pena-Alvarez ihren ersten Hauptkampf. Ihre Gagen erreichten die Millionenmarke ebenso wie die TV-Zuschauerzahlen.

Im Jahr 2007, nach 56 Kämpfen und auf dem Höhepunkt ihrer Karriere verkündete die 12 Jahre ungeschlagene Weltmeisterin ihren Rücktritt.

Seitdem wartet die Boxgemeinde auf eine würdige Nachfolgerin, die in Halmichs – sehr große – Fußstapfen treten kann. Eine der möglichen Kandidatinnen wohnt in Herne und hat sich den Weltmeisterschaftstitel der Women`s International Boxing Association

(WIBA) im Fliegengewicht erkämpft: Nadia Raoui,

Vor ihrer Box-Profikarriere war sie bereits als Thai-Kick-Boxerin erfolgreich. Sie bestritt 17 Kämpfe, davon 13 K.o.-Siege und 3 Punktsiege und war zweimal Deutsche und einmal Westdeutsche Meisterin. Nach einem Kreuzbandriss 2004 sagte Nadia Raoui dem Kickboxen ade und wechselte in den Boxstall. Mitte 2006 beriet sie sich mit ihrem Trainer Dietmar Berg und beide begannen mit der Zukunftsplanung. Doch dann ging alles schneller als geplant. Noch bevor das Boxtraining richtig begonnen hatte, klingelte eines Abends Bergs Telefon. Einem Veranstalter war eine Boxerin ausgefallen und Dietmar Berg wurde gefragt, ob er keinen Ersatz besorgen könne. Er konnte – und drei Tage später stand Nadia Raoui im Ring. Vier Runden dominierte sie den Kampf und ließ ihrer Gegnerin keine Chance.

Danach setzte sie für ihren Traum vom Profiboxen alles auf eine Karte und brach ihre Ausbildung zur Fremdsprachenkorrespondentin ab. Zwei Jahre lang trainierte sie ausschließlich auf ihren ersten WM-Kampf hin. Intensives Krafttraining, Ausdauerläufe und natürlich ungezälhte Runden Sparring mit wechselnden Gegnern – auch Männern - hat sie absolviert. Während sich viele zunächst bei den Amateuren einboxen, startete Raoui gleich bei den Profis und holte sich mit ihrem Sieg über die Britin Juliette Winter im November 2007 in Schwedt mit erst 22 Jahren den Europameistertitel im Super-Fliegengewicht.

"The Beauty Beast" lautet Nadia Raouis Kampfname, wenn sie für die Ruhrcity Boxpromotion GmbH in den Ring steigt. Diese GmbH, in der ihr Trainer Dietmar Berg auch Geschäftsführer ist, übernahm die Vermarktung Raouis und trieb die Entwicklung konsequent voran. Ein gutes Jahr später war es dann soweit: Im Dezember 2008 griff Nadia Raoui in ihrem 10. Profikampf nach dem Weltmeisterschafts.Gürtel der WIBA. In Zürich traf sie vor großer Kulisse auf Eileen Olszewski aus den USA und beherrschte ihre Gegnerin bis zum Schlußgong. Allerdings sah die Jury das anders – sie wertete unentschieden. Der Fliegengewicht-Titel blieb bei Olszewski.

Es war der erste schwere Rückschlag in ihrer Boxkarriere, aber sie gab nicht auf und trainierte noch härter. Vier Monate später, im April 2009 bekam die Hernerin ihre 2. Chance. Im Düsseldorfer Burg-Wächter Castello kämpfte die 23-Jährige gegen die Italienerin Maria Rosa Tabusso um den WIBA-Titel und marschierte zehn Runden lang vorwärts. In den ersten zwei Runden konnte die Titelverteidigerin noch gegen halten. Als dann aber ein ungewollter Kopfstoß der Italienerin Raouis Wange heftig anschwellen ließ, zeigte die Herausforderin, dass sie sich diesmal nicht auf das Urteil der Jury verlassen wollte. Überlegen holte sie sich in ihrem 11. Profikampf ihren 10. Sieg und damit den begehrten WM-Gürtel.

Nadia Raoui ist vorerst am Ziel ihrer Wünsche – und wartet jetzt auf den Rückkampf gegen Eileen Olszewski, denn mit ihr hat sie noch eine Rechnung offen.

www.sportsfrauen.de, www. nadia-raoui.de, www.ruhrcity-boxpromotion.de

5 Fragen an Nadia Raoui

WITC: Nadia, warum hast du dich für den Boxsport entschieden?

Nadia: Ich habe schon als siebenjährige in der Grundschule mit Judo begonnen, aber irgendwann wollte ich mehr lernen und auch mit den Fäusten etwas machen und habe mit dem Kickboxen begonnen. Dort im Sportstudio habe ich auf meinen jetzigen Trainer Dietmar Berg kennengelernt.

WITC: Nun ist eine Größe von 1,55 m nicht unbedingt ein Vorteil im Ring.

Nadia: Ja das stimmt, viele Gegnerinnen haben einen Reichweitenvorteil, deshalb muß ich schneller beweglicher und schlagstärker sein.

WITC: Beim Boxen ist die Verletzungsgefahr hoch und Du hattest ja schon einmal eine schwere Kreuzbandverletzung beim Kickboxen. Inwieweit belastet Dich das?

Nadia: Beim Kampf bin ich so konzentriert und habe soviel Adrenalin im Blut, dass ich daran nicht denke. Gefährlich sind allerdings die -unabsichtlichen – Kopfstöße. Die Verletzung schwillt schnell an und es dauert Wochen, bis es vorbei ist.

WITC: Wenn Du Dich dann im Spiegel siehst, bleibst Du dann zuhause und versteckst Dich?

Nadia: Nein – und ich schminke mich auch nicht, weil die Verletzung ja verheilen muss, aber die Blicke spüre ich schon. Ich weiß noch, wie ich einmal mit meinem Freund Dirk zum Pizzaessen gegangen bin. Da war mein Auge blaun und grün zugeschwollen und wir hörten die Kellnerinnen und die anderen Gäste sagen " O Gott, da gehen die noch zusammen essen, wo er sie so geschlagen hat".

WITC: Du hast Dir jetzt den WM-Gürtel geholt, wie geht es nun weiter?

Nadia: Wir warten auf den Rückkampf gegen Eileen Olszewski. Ich werde hart trainieren und diesmal wird auch die Jury keine andere Wahl haben als mich zur Siegerin zu erklären.

Ausgabe 0909

 

Video - Das Gesicht 2010

Video - Das Gesicht 2009