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"Suppenlina" und das "Paradies der Kindheit" – Wer war Lina Morgenstern?

Frauen haben seit jeher die Geschichte der Stadt Bochum geprägt. Doch ebenso interessant ist die Frage, wer die Nicht-Bochumerinnen waren, nach denen hiesige Schulen oder Straßen benannt sind. Eine von ihnen ist Lina Morgenstern.

Seit dem 25. November 2008 trägt eine Bochumer Grundschule den Namen der Frauenrechtlerin, Schriftstellerin und Sozialaktivistin. 1830, nämlich am 25. November, wird Lina Bauer als Tochter einer jüdischen Familie in Breslau geboren. Bereits mit achtzehn Jahren beginnt sie ihr soziales Engagement. Im Revolutionsjahr 1848 gründet sie einen Verein zur Unterstützung bedürftiger Schulkinder. Sechs Jahre später heiratet sie Theodor Morgenstern. Als die Familie in finanzielle Schwierigkeiten gerät, beginnt sie 1857, Kinderbücher zu schreiben.

Darüber hinaus gründet Lina Morgenstern 1859 einen Frauenverein als Reaktion auf das preußische Kindergartenverbot von 1851. Bis 1866 ruft sie acht Kindergärten basierend auf den Ideen Friedrich Fröbels, sowie eine Bildungsanstalt für Kindergärtnerinnen ins Leben. Zudem verfasst sie für deren Ausbildung ein Lehrbuch: Das Paradies der Kindheit. Aus dem Werk entsteht eine öffentliche Diskussion über Kindererziehung, die großen Einfluss auf das Entstehen der Ersten Frauenbewegung hat.

Als im Jahr 1866 der Preußisch-Österreichische Krieg und damit soziale Probleme bevorstehen, ergreift Lina Morgenstern die Initiative zur Eröffnung von Großküchen, in denen Mahlzeiten zum Selbstkostenpreis angeboten werden. Sie gründet den Verein der Berliner Volksküchen, die erste entsteht am 4. Juli 1866. In Bochum wird 142 Jahre später an diese Aktivitäten erinnert: beim Fest zur Namensgebung der Lina Morgenstern-Grundschule, einer Ganztagsschule, gibt es Steckrübeneintopf für alle.

Bei ihrer Arbeit wird Lina Morgenstern sogar von der preußischen Königin Augusta unterstützt. Und wieder schreibt sie, um ihre Erfahrungen und Ratschläge zu teilen. Ihr Buch über Volksküchen, das auch von ihr erprobte Rezepte enthält, erscheint 1868. Es bildet die Basis für das später entstandene Illustrierte Universal-Kochbuch. Im gleichen Jahr gründet Lina Morgenstern eine Akademie zur Fortbildung junger Damen, ein Jahr später einen Kinderschutzverein.

Im deutsch-französischen Krieg versorgt sie Soldaten mit, die durch Berlin reisen, und richtet eine Feldpoststelle ein. Im Berliner Volksmund wird sie mittlerweile "Suppenlina" genannt. Auch um Verwundete kümmert sie sich. Nach Kriegsende gründet sie weitere Kinderschutzvereine sowie Erziehungs- und Krankenpflegeschulen, um soziale Missstände zu bekämpfen. Ab 1874 ist sie außerdem für über dreißig Jahre Herausgeberin der Deutschen Hausfrauenzeitschrift. Sie organisiert 1896 den Internationalen Kongress für Frauenwerke und Frauenbestrebungen im Roten Rathaus in Berlin und wird 1897 eine Vorstandsfrau der Deutschen Friedensgesellschaft.

Am 16. Dezember 1909 stirbt Lina Morgenstern nach einem bewegten Leben und enormen Leistungen insbesondere für Frauen und Kinder in Berlin.

Text: Linda Wotzlaw, Frauenarchiv ausZeiten

Ausgabe 02 - 09

 

 

 

 

 

 

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