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Appolonia Pfaus

Die Sintezza aus Bochum wurde in Auschwitz ermordet.

Der kleine Park, der hinter der Bochumer Volkshochschule an der Windmühlenstraße liegt, trägt seit 2004 den Namen "Appolonia-Pfaus-Park". Appolonia Pfaus gehörte zu den in Bochum lebenden Sinti und Roma, die im Dritten Reich ermordet wurden. Nur wenige ihrer Lebensdaten sind heute noch bekannt. Zudem wurden wichtige Akten, die das von ihr und vielen anderen erlittene Unrecht belegen, von den Tätern vernichtet. Umso wichtiger ist es, die Erinnerung an sie zu bewahren und lebendig zu halten.

Appolonia Pfaus wird am 18. Januar 1878 oder 79 in der französischen Schweiz geboren. Mit ihrem Mann Josef Winter, der wie sie zur Gruppe der Sinti gehört, hat sie elf Kinder. Drei von ihnen sterben bereits im Kindesalter. Ihr Sohn Georg wird in die Wehrmacht eingezogen und fällt 1942 in Russland. Appolonia Pfaus ist außerdem Großmutter von fünfzehn Enkelkindern. Im Kaiserreich und in der Weimarer Republik hatte man versucht, die Sinti und Roma sesshaft zu machen. Auf ihre Traditionen wurde keine Rücksicht genommen, ihrer Lebensweise und Sprache kein Raum gelassen. Auch wenn belegt war, dass sie ihr Geld mit ehrlicher Arbeit verdienten, keine Krankheiten übertrugen und ihre Kinder sauberer waren als die von Deutschen – es hingen ihnen stets Vorurteile an. Gleichzeitig waren sie als Musiker und Artisten zum Teil durchaus sehr beliebt – nicht jedoch als zeitweilige oder dauerhafte Nachbarn. Im Nationalsozialismus wird ihre angebliche Neigung zum Stehlen und Vagabundieren nun zur genetischen Veranlagung einer minderwertigen Rasse erklärt.

Der Druck zur völligen Anpassung wird also abgelöst von Maßnahmen wie Zwangssterilisation, von Verfolgung und schließlich Ermordung. Viele werden zu Tode gequält. Der Weg in den Tod beginnt für zahlreiche Sinti und Roma in Bochum, denn dorthin werden sie am 7. März 1943 aus den umliegenden Städten gebracht, um dann weiter nach Auschwitz transportiert zu werden. Appolonia Pfaus lebt bereits in Bochum. Nach dem Tod ihres Mannes ist sie zu ihrem Sohn Peter und dessen Familie gezogen. Peter Pfaus, ursprünglich Korbmacher, arbeitet beim Bochumer Verein in der Rüstungsherstellung. Am 21. Oktober 1943 wird er mit seiner Frau und seinen sieben Kindern nach Auschwitz deportiert. Appolonia Pfaus wird nicht verhaftet – doch sie will sich nicht von ihrer Familie trennen. So entschließt sie sich, mit ins das Vernichtungslager zu fahren. In Auschwitz Birkenau kommen noch zwei weitere Enkelkinder von Appolonia Pfaus zur Welt, die jedoch nach wenigen Wochen sterben. Insgesamt überleben nur drei ihrer Kinder und vier ihrer Enkelkinder den Naziterror.

In dem Hauptbuch des Zigeunerlagers in Auschwitz Birkenau, das nur unvollständig erhalten ist, sind dreiundzwanzig Frauen und Männer aus der Familie Pfaus registriert. Neunzehn tragen den Vermerk "Gestorben", darunter auch Appolonia Pfaus. Sie stirbt am 12. Mai 1944.

Text: Linda Wotzlaw, Frauenarchiv ausZeiten

Ausgabe 12. 2007 

 

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