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Liselotte Rauner

"Was gültig ist, muss nicht endgültig sein"

Liselotte Rauner zählt zu den bedeutendsten Schriftstellerinnen Bochums. Als Liselotte Clemens am 21. Februar 1920 in Bernburg an der Saale geboren, besucht sie dort die Real- und Handelsschule, macht danach eine Gesangs- und Schauspielausbildung und spielt einige Jahre am Bernburger Landestheater. 1941 heiratet sie Walter Rauner. Im Alter von 28 Jahren kommt sie mit ihrem Mann nach Wattenscheid.

 

Als Liselotte Rauner am 12. Januar 1968 zum ersten Mal ihre Gedichte im Jugendheim der Matthäus-Kirche in Gelsenkirchen-Erle vorträgt, ist sie fast 50 Jahre alt. Wenige Monate zuvor hat sie Ernst Hugo Käufer von der Literarischen Werkstatt in Gelsenkirchen vorsichtig ein Manuskript zu lesen gegeben, um zu erfahren, ob es für eine Lesung geeignet wäre. Käufer erinnert sich: "Ich war damals überrascht und auch begeistert von der sprachlichen Gekonntheit, mit der Liselotte Rauner ihre gesellschaftlich engagierten Themen gestaltete. (…) Hier meldete sich eine Stimme zu Wort, die es mehr als verdient hatte, in der Öffentlichkeit vorgestellt zu werden."

1970 wird ihr Gedichtband "Der Wechsel ist fällig" veröffentlicht. Ihre stilistisch ausgefeilten Texte sind voll von Satire und Ironie, geprägt von politischem Bewusstwein und der Überzeugung, dass eine bessere Gesellschaft möglich ist: "Was gültig ist, muss nicht endgültig sein." Käufer nennt ihr Werk einen "hoch einzuschätzenden Beitrag für gerechte Entwürfe menschlichen Seins". 1986 erhält sie dafür als erste Trägerin den "Literaturpreis Ruhrgebiet". LiedermacherInnen wie Klaus Hoffmann und Rauners gute Freundin Brigitte Lebaan vertonen ihre Gedichte.

Doch gerade durch ihren eigenen Vortrag entfalten ihre Texte eine besonders intensive Wirkung. Ihre Lesungen finden sowohl in Volkshochschulen als auch in Stadtbüchereien und vor Werkstoren statt. Ehemann Walter übernimmt die dazu gehörigen organisatorischen Aufgaben, kümmert sich um alltägliche Arbeiten und sammelt Rezensionen und Kritiken von Liselotte Rauners Werken und Auftritten – eine Rolle, die sonst in Beziehungen allzu häufig und selbstverständlich von Frauen übernommen oder auf sie übertragen wird.

 

Nach dem Tod Walter Rauners 1992 zieht sie sich nahezu völlig aus der Öffentlichkeit zurück. Ihr Fragment "Ohne Dich" bringt ihren Schmerz über den Verlust auf den Punkt:

 "Weiterleben ohne Dich

mein Sterben vorweggenommen

Du wirst nicht wiederkommen

nichts tröstet mich

Das Glück ein letzter Schimmer

von fern

und ich umkreise noch immer

meinen längst erloschenen Stern."

Krankheiten, Einsamkeit und Verwirrung nehmen zu. Dennoch unterstützt die Schriftstellerin 1998 die Gründung der "Liselotte und Walter Rauner-Stiftung zur Förderung der Lyrik in Nordrhein-Westfalen". 2004 tritt sie noch einmal auf: im Museum Bochum, zur Präsentation des Buches "Sie schreiben in Bochum", in dem die Arbeit vieler SchriftstellerInnen unserer Stadt vorgestellt und gewürdigt wird. Ein letztes Mal erleben FreundInnen, KollegInnen und Publikum ihren einzigartigen Vortrag. Am 2. Juli 2005 stirbt Liselotte Rauner.

"Die Erde ist gut

sie nimmt uns freundlich auf

nach einem bangen Leben."

 

Ausgabe 10.2008

 

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