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Nora Platiel: "Wir, die wir es gewohnt sind, gegen den Strom zu schwimmen"

Nora Platiel, geborene Block, ist durch ihre Arbeit als Landtagsabgeordnete der hessischen SPD bekannt. Am 14. Januar 1896 wird sie hier in Bochum als achtes von zehn Kindern eines jüdischen Ehepaares geboren. Sie wächst mit bürgerlich-liberalen Werten auf. Die Eltern besitzen ein Bekleidungsgeschäft. Als 1912 der Vater stirbt, bricht Nora Block die Schule ab und führt seine Geschäfte weiter. 1917 meldet sie sich zum Kriegshilfsdienst nach Rumänien und ist dort Sekretärin im Eisenbahnwesen.

Nach Kriegsende geht sie nach Berlin und arbeitet für zwei der wichtigsten Persönlichkeiten der deutschen Frauenbewegung: Helene Stöcker, Begründerin des "Deutschen Bundes für Mutterschutz", und Elisabeth Rotten, Geschäftsführerin der "Deutschen Liga für Völkerrecht". Nora Block wird von pazifistischen und feministischen Ideen geprägt und engagiert sich in der Friedensbewegung.

Sie holt 1922 das Abitur nach und studiert Jura in Göttingen. Durch die philosophischen Lehren von Leonard Nelson wird sie aktive Sozialistin. In Bochum, einer NS-Hochburg im Ruhrgebiet, verteidigt sie als Anwältin linke Angeklagte und engagiert sie sich gegen die extreme Rechte. 1933 flieht sie nach Frankreich. Es beginnt eine Zeit, die sie später "Lehrjahre der Menschlichkeit" nennt.

In Paris wird 1934 Sohn Roger geboren. Nora Block ist bereits 38 Jahre alt und glücklich, Mutter zu sein. 1940 schickt sie ihn nach England. Sie wird im berüchtigten französischen Lager Gurs interniert, flieht aber bald nach Montauban. Dort verhilft sie Flüchtlingen zur Ausreise. Sie trifft Hermann Platiel, den sie 1943 heiratet - der Beginn einer harmonischen, gleichberechtigten Ehe. Bei einer Razzia werden sie getrennt.

Die Familie trifft sich nach dem Krieg in der Schweiz wieder und kehrt 1949 nach Deutschland zurück. Nora Platiel widmet sich wieder der Politik und wird Landgerichtsrätin in Kassel, dann Landgerichtsdirektorin. Mit ihr bekleidet zum ersten Mal eine Frau diese Position. Von 1954 bis 1966 ist sie SPD-Abgeordnete im hessischen Landtag, zeitweilig auch Fraktionsvorsitzende.

Nora Platiel versucht Zeit ihres Lebens, politische Verhältnisse durch die Kraft der Vernunft zu bewegen. Trotz Verfolgung, Exil und dem frühen Tod ihres Sohnes zieht sie am Ende ihres Lebens das Fazit: "Die Welt ist doch wirklich schön. Vergiss das nie, wenn Du an mich denkst.". Am 6. September 1979 stirbt sie in Kassel.

Ausgabe 09. 2007

 

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