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Verhinderte Naturwissenschaftlerin:

Henriette Kortum

Der Name Kortum ist in Bochum omnipräsent wie kein anderer. Fragt man Bochumer, was ihnen zum Namen Kortum einfällt, so reicht die Bandbreite vom Kaufhaus Kortum, Kortumstraße, Kortumpark, Kortumgesellschaft bis zum berühmten Mediziner und Dichter Dr. Karl Arnold Kortum und auch weitläufigeren Assoziationen wie "Der große Bellheim" mit Mario Adorf.

Carl Arnold Kortum (1745-1824), ein Mediziner, Pflanzenfreund und Blumenzeichner, gebürtig aus Mülheim an der Ruhr, war mit einer Bochumerin verheiratet und lebte seit 1770 mit seiner Gattin in einem zweistöckigem Wohnhaus mit Arztpraxis unweit des "Kuhhirten".In diesem Jahr wurde auch seine Tochter Henriette geboren. Zu Kortums Zeiten war Bochum eine kleine, unbedeutende, gerade mal 1.500 Einwohner zählende Ackerstadt. Kortum machte sich auch als Dichter mit seiner berühmten Jobsiade einen Namen – einer Gesellschaftssatire, die das Leben des dummdreisten und tumben Luftikus Hieronimus Jobs erzählt, der sich nach kläglichem Scheitern seines Theologiestudiums in verschiedensten Berufen versucht und letztlich als Nachtwächter endet. Kortum beschreibt hier das Spießbürgerliche seiner Zeit und nimmt bestehende gesellschaftliche Zustände und Wertvorstellungen auf’s Korn. Der "Jobsbrunnen" auf dem Husemannplatz zeigt eine der berühmtesten Szenen aus der Jobsiade – das hochnotpeinliche Examen des Kandidaten Jobs.

Henriette war begabt und hegte, wie ihr Vater, eine Leidenschaft zur Botanik. Kortum, den man als liberal und aufgeschlossen bezeichnen kann, brachte für seine Tochter viel Verständnis auf und förderte sie, wo es möglich war. Leider konnte Henriette als Frau nicht studieren und außer einer guten Hausfrau auch nichts werden. Und schon gar nicht im Bereich der Naturwissenschaften etwas veröffentlichen. So dämmerte ihr Talent am heimischen Herd vor sich hin, während ihr jung an Schwindsucht verstorbener Bruder Medizin studiert hatte und mit seinem "Gesundheitsbüchlein für Bergleute" zu frühem Ruhm gelangte. 1794 heiratete Henriette den Hohenlimburger Apotheker Peter Wilhelm Ludwig Döring.

Der Schwiegersohn Kortums war zunächst Gehilfe bei Severin jun. (Carl Arnold Kortums Mutter war eine geborene Severin) und später dessen Nachfolger in der Apothekenleitung.Die "alte Apotheke" direkt am "Kuhhirten", gegründet 1691 von den Severins, ist immer noch am Platze.Henriettes Gatte war ein tüchtiger, über Bochum hinaus bekannter Apotheker, ein vielseitig interessierter Naturwissenschaftler und sammelte Gehäuse von Muscheln und Schnecken (Conchylien). Mit seiner Sammlung legte er den Grundstein für das noch heute existierende Löbbecke-Museum in Düsseldorf.

Die Ehe wurde 1818 geschieden. Auch hier wurde sie durch ihren Vater unterstützt, der diesen Schritt billigte, was damals überhaupt nicht selbstverständlich war. Frauen konnten sich – nach dem allegemeinen preußischen Landrecht von 1794 – zwar scheiden lassen, mussten dies aber in der Regel mit dem Verlust ihrer Kinder, ihres Vermögens, des sozialen Ansehens und nicht zuletzt mit dem Verstoß durch die eigene Familie bezahlen. Henriette Kortum war eine geschäftstüchtige und sparsame Frau, die jedem ihrer vier Kinder ein Haus vermachte. Die eigenhändige Abrechnung für das 1827 erbaute Haus in der Rosenstraße, das sie ihrer Tochter Henriette zugedachte hatte, ist erhalten. Desweiteren hinterließ sie eine ansehnliche, 1790 begonnene Sammlung von Backrezepten. Henriette Kortum starb 1839. Sie war übrigens die Großmutter von Henriette de Noel, der Gründerin der Hildegardis Schule.* Ihre letzte Ruhestätte liegt im "Kortumpark" an der Wittener Straße. Das Sandstein-Grabmal der Familiengruft, das von einer schlangenumwundenen flammenden Urne gekrönt wird, ist etwa 2,70 Meter hoch und wurde von ihrem Vater Carl Arnold Kortum selbst entworfen. Bei dem Besuch der Grabstätte bietet sich dem Betrachter einer biedermeierliche Beschaulichkeit.

* Henriette de Noel, WITC-Ausgabe 05.2007

Linda Wotzlaw, Frauenarchiv ausZeiten

Ausgabe 06.2007

 

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