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Ein Herz für arme Dienstmägde:

Agnes Springorum

Wer beim Besuch des Innovationsparks Springorum bislang vielleicht gedacht hat, "Springorum" sei ein Kunstname, etwa zusammengesetzt aus Springbrunnen und Forum, dem sei versichert, dass es sich um einen Familiennamen handelt. Auf der Fläche des heutigen Gewerbeparks stand in den 60er Jahren das Veba-Kraftwerk Springorum.

Ob dieser Name etwas mit der Bochumerin Agnes Springorum zu hat, konnten wir leider nicht herausfinden. Am 14. Januar 1568 erschienen vor Bürgermeister und Rat von Bochum die Geschwister Gerrit und Agnes Springorum, die willens waren, sich in der Fremde umzusehen. Da man damals vor der Gefahr eines plötzlichen Todes nicht sicher war, wollten sie vor der Abreise ihre Verhältnisse ordnen und setzten daher einen gegenseitigen Erbvertrag auf. Beide unterschrieben ihn eigenhändig. Die Vorahnung des plötzlichen Todes sollte sich noch im gleichen Jahr bewahrheiten. Am 6. September 1568 machte die thugentsame Agnes Sprinkhorum", von der Pestilenz ergriffen, vor dem Notar Lucas Wintzler in Köln ihr Testament. Neben zahlreichen Legaten an ihre Freunde und Verwandten vermachte sie 100 Taler dem sogenannten "Gasthaus" zu Bochum, einer 1438 gestifteten Einrichtung für Arme und Kranke. Die Verwalter des Gasthauses sollten damit eine Rente kaufen und von den Einkünften jährlich "eine arme fromme Dienstmagd, so gern zur Ehe greifen wollte", mit einer Mitgift ausstatten. Falls eine solche Person nicht vorhanden sei, solle das Geld den Ortsarmen zukommen. Da das Testament in Kraft trat, muss die unverheiratete Agnes Springorum damals ihrer Krankheit erlegen sein; sie war 26 oder 27 Jahre alt. Anscheinend gab es in Bochum keine armen frommen Dienstmägde, denn entgegen der primären Bestimmung wurden von ihrer Stiftung, der sogenannten "Springorum-Spende", jedes Jahr zu Fronleichnam je ein Malter Roggen und Gerste an die Armen der Gemeinde zum Brotbacken ausgeteilt, und zwar bis zum Dreißigjährigen Krieg, als die Stadt sämtliche Einkünfte zur Abtragung der ihr auferlegten Kontributionen verwenden musste. Mit Agnes Springorum bewegen wir uns in der absoluten Führungsschicht, sozusagen unter den oberen Fünfzig von Bochum. Ihr Bruder war Stadtsekretär; der Ehemann ihrer Schwester Anna sollte mehrfach Bürgermeister werden. Ihre Mutter Margarete von der Hembecke war eine Tochter des Bochumer Stadtschultheißen und Rentmeisters; ihre Großmutter Anna von Eickel stammte aus dem Landadel. Ihr Großvater hieß noch Johann Schriver genannt Springorum, was sich dadurch erklärte, dass sein Vater die Springorum- Erbtochter Nese geheiratet hatte. Die Sitte, die Familie nach einer angeheirateten Erbin zu benennen, wie sie vom westfälischen Bauerntum her bekannt ist, kam also auch beim städtischen Bürgertum vor - nicht nur in Westfalen und nicht nur in Deutschland. Innovationspark Springorum Das Leitmotiv des Innovationsparks Springorum beinhaltet eine gewerbliche Bebauung in einer als Park gestalteten Natur. Hier stehen Dienstleistungsflächen mit den Schwerpunkten Medienwirtschaft , Kommunikationstechnik, Immobilienwirtschaft sowie Forschungs- und Bildungsstätten von überregionaler Bedeutung zur Verfügung. Der Innovationspark Springorum ist aus der Region aufgrund seiner unmittelbaren Lage an der Stadtautobahn "Oviedo-Ring" gut erreichbar. An der

inneren Erschließung "Spingorumallee" sind Neubauten in drei- bis fünfgeschossiger Bauweise errichtet worden. Von insgesamt etwa 90.000 m² bebaubarer Fläche sind bereits etwa 55.000 m² mit hochwertigen Bürogebäuden und Ausbildungsstätten bebaut. Betreiber sind unter anderem die Akademie des Handwerks Ruhr, das Europäische Bildungszentrum der Wohnungswirtschaft und das Zentrum für Audiovisuelle Medientechnik

(ZAM). / Quelle: Stadt Bochum

Ausgabe August 2007

 

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