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Else Baltz

Sie rettete das Bochumer Textilienhaus durch Krieg und Nachkriegszeit

Bereits im Jahr 1827 eröffnet Moritz Baltz eine Blaufärberei, in der er bedruckte Stoffe und später auch Arbeitskleidung vertreibt. Das Haus, in dem er sein Geschäft betreibt, gehört der Familie seiner Frau. Vererbt wird es allerdings an ihre Brüder, von denen Moritz Baltz es kaufen muss. 1852 stirbt er und das Geschäft geht auf seinen Sohn Conrad über. Dessen ältere Schwester Dora Baltz trägt mit ihrer Geschäftstüchtigkeit entscheidend zum Erfolg des Unternehmens bei, kommt jedoch wegen ihres Geschlechts nicht als Erbin in Frage.

Frauen sind bei Baltz also seit langem hinter den Kulissen aktiv. Nur während des ersten Weltkriegs arbeiten sie in Verkauf, Buchhaltung und Geschäftsführung. Zur Kundschaft gehören viele Hausfrauen, die bei Baltz selbst in wirtschaftlichen Krisenzeiten erschwingliche, qualitativ hochwertige Stoffe bekommen. Damenkleidung wird dort erst ab 1932 verkauft. In der wohl schwierigsten Phase der 181-jährigen Geschichte des Textilhandels Baltz ist es eine Frau, die mit ihrem Einsatz das Unternehmen wieder aufbaut.

Else Bellwinkel wird 1901 in Bocholt als älteste Tochter eines Oberingenieurs geboren. Im Alter von 20 Jahren heiratet sie Richard Baltz, den Enkel von Moritz Baltz. 1936 erhält sie von ihrem Mann die Generalvollmacht über das Geschäft, das in den 20er und 30er Jahren stetig vergrößert worden ist. Als der Ehemann 1941 stirbt, beginnt Else Baltz das Textilunternehmen als Treuhänderin zu leiten. Sie ist gleichzeitig Mutter von fünf Kindern , und Erbe ist ihr 9-jähriger Sohn Richard. Als Leiterin eines Teams von Geschäftsführern und Prokuristen stellt sie sich den Schwierigkeiten, die der Krieg für viele Händler mit sich bringt: Umsätze fallen, die Qualität der Waren sinkt. Ein Teil der Textilien wird in Ausweichlagern vor Luftangriffen geschützt. Zu Pfingsten 1943 wird das Kaufhaus vollständig zerstört. Viele Geschäfte ziehen sich nun aus der Innenstadt zurück, doch Baltz bleibt und zieht bis Kriegsende immer wieder in Ersatzräume – die dann wieder ausbrennen –, denn im Stadtkern leben noch viele Menschen, die auf Textilwaren angewiesen sind.

Direkt nach Kriegsende ist Else Baltz fest entschlossen, das Geschäft in der Bochumer Innenstadt wieder aufzubauen. Schon am 13. Juni 1946, bevor überhaupt genügend Kunden und Waren vorhanden sind, sind insgesamt 750 qm Verkaufsfläche, Werkstätten und Büros neu aufgebaut. Ein größeres Haus wird 1948 fertig gestellt. Zur Eröffnung erlebt Baltz einen Ansturm von KundInnen.

Neben der Arbeit für ihr Textilhaus ist Else Baltz als Sponsorin für Kunst und Theater aktiv und stiftet unter anderem den Theatervorhang des Schauspielhauses. Sie unterstützt zudem den Ausbau des Bochumer Tierparks, auch die dortige Zooschule, Ausflugsziel zahlreicher Schulklassen, ist nach ihr benannt. Für ihr Engagement wird sie mit dem Ehrenring der Stadt Bochum ausgezeichnet. Sie stirbt 1986.

"Baltz bleibt Baltz" – dass dieses Motto nach wie vor Gültigkeit besitzt, ist auch Else Baltz zu verdanken. Sie gehört bis heute zu den bedeutendsten UnternehmerInnen in der Geschichte Bochums.

Text: Linda Wotzlaw, Frauenarchiv ausZeiten

Quellen:

Gisela Wilbertz: Bochumer Frauen, Hrsg.: Evangelische Stadtakademie Bochum, Stadt Bochum, 1991.

www.baltz.de/chronik

Ausgabe September 2008, Seite 39

 

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