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Nora Amélie Köhler

und die Villa Nora am Stadtpark

Die Villa Nora an der Kortumstraße 156, ehemals Kaiser-Wilhelm-Straße 24, wurde gegen Ende des 19. Jahrhunderts von Generaldirektor Heinrich Köhler erbaut. Dort lebte er mit seiner Frau Amélie, genannt "Nora" Köhler, und der gemeinsamen Tochter.

Köhler, ein Mann von großem Sachverstand, arbeitete zunächst in führender Position beim Bochumer Verein und gründete im Jahre 1889 in Bochum-Weitmar sein eigenes Unternehmen, die "Westfälischen Stahlwerke". Seine Frau Nora, eine extrem schwierige und exzentrische Frau, verstand es offenbar, sich gegen ihren Mann durchzusetzen. In der Unternehmensführung mischte sie kräftig mit – nicht unbedingt zum Wohle der Stahlwerke. Früher sprach man von Schürzen-Regiment, heute würde man sagen: Sie hatte die Hosen an. Nora Köhler hat sich schon immer eingemischt. Sie stammte aus der weitverzweigten jüdischen Familie Würzburger, deren Mitglieder im 19. und beginnenden 20. Jahrhundert im öffentlichen Leben der Stadt Bochum eine wichtige Rolle spielten. Ihr Vater war der Sanitätsrat Dr. med. Abraham Würzburger, dessen Grabstein auf dem jüdischen Friedhof an der Wasserstraße erhalten geblieben ist. Jedenfalls mischt sie von Anfang an kräftig mit. Als ihr Mann sich vom Bochumer Verein trennt, wird sie in der neu gegründeten "Westfälischen Stahlindustrie" für die Köhler-Partei eine Art Chefin des Generalstabes. Als dann der Bochumer Verein das Konkurrenzwerk aufkauft, avanciert sie auch in den "Westfälischen Stahlwerken" zur eigentlichen Seele der Betriebsleitung.

Als der Generaldirektor Köhler seinen Abschied aus der Firma nahm, hielt Frau Nora Köhler die große Rede beim Abschiedsmahl; sie ahnte und sprach dies auch deutlich aus, dass dem Werk keine rosige Zukunft bevorstand. Und sie sollte mit ihrer Prognose recht behalten. Auf anderem Terrain allerdings versagte ihre Weitsicht. Als ihr Mann starb, hinterließ er seiner Frau ein Vermögen von 2 Millionen Reichsmark und die fürstliche Villa am Stadtpark. Nora Köhler spekulierte mit ihrem Geld an der Börse. Sie riskierte alles – und verlor alles. Auch das prächtige Haus an der Kaiser-Wilhelm-Straße. Der große Kalikrach im Jahre 1909 gab ihr gewissermaßen den Rest, da sie außerordentlich viele Kaliaktien besaß. [...] Die mehrfache Millionärin, die eine fürstliche Villa am Stadtpark bewohnte und sich nur in den feinsten Karossen ausfahren ließ, fand sich irgendwann in einem Dachzimmer auf einer Schütte Stroh wieder. Bettelnd trieb sie sich in den Straßen Bochums umher, sprach bei einstigen Bekannten vor, wurde von der Polizei aufgegriffen und im "grünen August" – heute würde man sagen: in der "grünen Minna" – zum Krankenhaus gebracht. Dort verweigerte man die Aufnahme und Nora Köhler wurde der Armenverwaltung übergeben. Die Witwe des einstigen Generaldirektors Köhler starb einsam und verlassen in der Landesarmenanstalt in Geseke. Die Textauszüge stammen mit freundlicher Genehmigung des Verlags aus dem Buch: Bochumer Häuser. Geschichten von Häusern und Menschen, von Rainer Küster, erschienen im ATHENA -Verlag, Oberhausen 2006. In dem Buch erfährt man noch viel mehr über die wechselvolle Geschichte der Villa Nora und über andere Bochumer Häuser und deren Bewohner. Heute residiert in einigen Räumender Villa Nora die Oberstufe der Goethe-Schule.

Linda Wotzlaw, Frauenarchiv ausZeiten

Ausgabe 04.2007, Seite 39

 

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