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Frieda Nickel –

mit Rat und Tat für die Bochumer AWO

Frieda Nickel wird 1889 in Thüringen geboren, die Familie zieht jedoch bald ins Ruhrgebiet. Kaum ist 1919 die Weimarer Republik ausgerufen, wird Frieda Nickel Mitglied der SPD in Bochum. Sie ist maßgeblich an der Gründung der Arbeiterwohlfahrt beteiligt und wird mit nur 24 Jahren die 1. Vorsitzende. Ihr Motiv ist einfach, sie möchte Menschen helfen. Und es gibt viel zu tun: 1923, zur Zeit der Inflation, leben 28.000 Arbeitslose in Bochum. Es herrschen Hunger und Not. Frieda Nickel hilft mit ihrer AWO perspektivlosen Jugendlichen, Müttern mit Kleinkindern, Kranken und Behinderten.

1926 wird sie als eine der ersten Frauen in die Bochumer Stadtverordnetenversammlung gewählt, wo sie lange als einzige Frau die Interessen von Frauen und soziale Belange vertritt. Die SPD hat großen Einfluss, da ihre Basis von den Freien Gewerkschaften gebildet wird. Bochum ist damals die zechenreichste Stadt des europäischen Kontinents, ein Drittel der Menschen ist in Bergbau und Schwerindustrie beschäftigt. Nach der Weltwirtschaftkrise 1929 gewinnt die NSDAP an Zulauf, Schlägereien und Morde unter gegnerischen Parteien gehören zum Alltag.

Nach Hitlers Machtübernahme findet die vorerst letzte Kommunalwahl in Bochum statt – Frieda Nickel, durch ihre unermüdliche Arbeit bekannt und beliebt, wird ins Stadtparlament gewählt. Doch die SPD wird verboten, und es beginnt eine Zeit der Verfolgung und Unterdrückung. Frieda Nickel überlebt.

Am 10. April 1945 wird Bochum von den Alliierten befreit - sofort wird die AWO-Gründerin wieder politisch aktiv. Die Arbeiterwohlfahrt muss neu aufgebaut werden, Frieda Nickel wird 1. Vorsitzende, zudem Geschäftsführerin im Kreis Bochum. Die Nachkriegszeit bringt extreme Herausforderungen mit sich: Flüchtlinge und Heimatlose müssen in der zerstörten Stadt versorgt werden. Frieda Nickel organisiert Schulspeisungen, Alten- und Krankenbetreuung, und den Aufbau von Kindergärten. Die Arbeiterwohlfahrt kooperiert mit amerikanischen und norwegischen Hilfsorganisationen.

In den folgenden Jahrzehnten initiiert Frieda Nickel den Bau des AWO-Hauses in Grumme, setzt sich für die Errichtung eines Freizeitheimes ein und schafft für Kinder die Möglichkeit der Stadtranderholung. Selbst im Alter von über 70 Jahren denkt die Sozialdemokratin noch nicht an ihren Ruhestand, statt dessen ruft sie den ersten Seniorenclub Bochums ins Leben und organisiert AWO-Seniorenreisen nach ganz Deutschland. Gleichzeitig werden Kinder und Müttererholungsprogramme weiter ausgebaut.

Auch ihre politische Arbeit setzt sie fort und wird nach dem Krieg beratendes Mitglied im Sozialausschuss des Stadtrates. 1966 erhält Frieda Nickel für ihre zahlreichen Verdienste der Ehrenring der Stadt Bochum. Im folgenden Jahr legt sie den Vorsitz schließlich nieder und ist fortan Ehrenvorsitzende. Das AWO-Seniorenheim in Langendreer, dessen Bau sie vorangetrieben hatte und das gerade fertig geworden ist, wird ihr neues Zuhause. Dort stirbt sie nach kurzer und schwerer Krankheit im Dezember 1970.

Linda Wotzlaw, Frauenarchiv ausZeiten

Quellen: Gisela Wilbertz: Bochumer Frauen. Bochum, 1991.

Johannes Volker Wagner: Frieda Nickel, ein Leben in sozialer Verantwortung, in: Wagner, Johannes Volker (Hg.): Das Stadtarchiv, Essen 2004.

Ausgabe August 2008, Seite 39

 

 

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