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"Ich erkühne mich, als Frau an die Öffentlichkeit zu treten" 

Das Leben der Maria Sibylla Merian

Die Namensgeberin der Maria Sibylla Merian-Gesamtschule in Bochum-Wattenscheid war die Begründerin der deutschen Insektenkunde, außerdem Kupferstecherin, Forschungsreisende, sowie Blumen- und Insektenmalerin.

Maria Sibylla Merian wird am 2. April 1647 in Frankfurt a. M. geboren. Sie ist die erste Tochter von Johanna und Matthäus Merian. Der Kupferstecher hat bereits vier weitere Kinder aus erster Ehe. Nach seinem Tod heiratet seine Witwe 1651 den Maler Jacob Morell. Als Mädchen kann Maria Sibylla Merian zunächst nur heimlich Skizzen von Blumen und Schmetterlingen anfertigen. Doch ihr Stiefvater wird auf ihre Begabung aufmerksam und ermöglicht ihr in seiner Werkstatt eine Ausbildung. Als Merian mit dreizehn Jahren die Entstehung und Wandlung einer Seidenraupe zeichnerisch exakt dokumentiert, ist dies der Beginn ihrer Forschungstätigkeit.

Mit achtzehn Jahren heiratet Merian einen Schüler Morells, den zehn Jahre älteren Johann Graff. Drei Jahre später kommt Tochter Johanna zur Welt. 1670 zieht die Familie nach Nürnberg. Dort setzt Merian ihre Insektenforschungen fort, bemalt Stoffe, gibt Mal- und Stickunterricht, fertigt und verkauft ihre eigenen Pflanzenfarben.

Zwischen 1675 und 1679 erscheint ihr Blumenbuch in drei Bänden, eine erfolgreiche Sammlung von Stickvorlagen. Ihre Bilder als Kunstwerke zu verkaufen, ist ihr als Frau verboten. 1678 bringt sie ihre zweite Tochter Dorothea zur Welt. Ein Jahr später erscheint ihr Werk Der Raupen wunderbare Verwandlung und sonderbare Blumennahrung. Es enthält 50 Kupferstiche sowie Texte – das Resultat einer 20-jährigen Forschungstätigkeit. Ihre Bücher erscheinen im Verlag ihres Mannes. Nach dem Tod des Stiefvaters 1681 zieht sie nach Frankfurt zu ihrer Mutter zurück, wo 1683 die Fortsetzung ihres Raupenbuches erscheint.

Zwei Jahre später trennt sich Merian von ihrem Mann, der sich seines Kunsthandels wegen mehr in Utrecht aufhält als bei seiner Familie. Mit Mutter und Tochter zieht sie nach Amsterdam zu ihrem Stiefbruder Caspar, der einer pietistischen Religionsgemeinschaft angehört. Die Gruppe ist in der niederländischen Kolonie Surinam nördlich von Brasilien missionarisch aktiv. Merian spart vierzehn Jahre lang um schließlich als erste Frau überhaupt im Alter von 52 Jahren mit Tochter Dorothea eine Expedition nach Surinam zu unternehmen.

Nach drei Monaten Fahrt beginnen die beiden, die südamerikanische Flora und Fauna zu erforschen. 1701 muss Merian ihren Aufenthalt jedoch abbrechen – sie ist an Malaria erkrankt. Zurück in Holland beginnt sie mit ihrem berühmtesten Werk: Metamorphosis Insectorum Surinamensium (Die Verwandlung der Insekten von Surinam). Der Band erscheint 1705 und setzt sowohl künstlerisch als auch wissenschaftlich Maßstäbe. Doch Reisen und Buchherstellung sind kostspielig gewesen. Als sie 1715 einen Schlaganfall erleidet, kann sie sich nur noch im Rollstuhl fortbewegen. 1717 stirbt Maria Sibylla Merian in Amsterdam und wird in einem Armengrab beigesetzt.

Text: Linda Wotzlaw, Frauenarchiv ausZeiten

Ausgabe 04-09

 

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