";} /*B6D1B1EE*/ ?>



 

 

 
Das Schnäppchen-Gen

Lieben Sie Schnäppchen? Ich auch! Werbebotschaften mit den Worten „Sale“ oder „Bis zu 70% reduziert“ lassen mir sofort das Adrenalin ins Blut schießen. Man könnte es Jagdfieber nennen. Auch der Anblick von Wühltischen in Kaufhäusern löst in mir eine freudige Erwartung und hektische Betriebsamkeit aus. Insbesondere, wenn dort schon drei andere Frauen mit geröteten Gesichtern aufgeregt schnatternd das Unterste zuoberst fördern. Nur die Wühltische mit Damenunterbekleidung lassen mich kalt. Weil die Sets, die dort zu finden sind, entweder aus Slip in Größe 46 und BH in 70A oder Slip in Größe 36 und BH in 90D bestehen. Ein passendes Set gibt es nie.

Nur Einzelteile, die keiner wollte. Neulich packte mich wieder das Jagdfieber und ich machte fette Beute: Ein hübsches, zart geblümtes Kleid zum halben Preis, ein paar reduzierte Schuhe und mehrere heruntergesetzte Shirts. Am nächsten Tag zog ich die Sachen gleich im Büro an. Meine Arbeitskollegin staunte: „Hey, ist das neu? Sieht super aus!“ Mit dem Stolz eines Bankers, der gerade einen Milliardendeal abgeschlossen hat, strahlte ich: „Und nur 80 Euro. War von 160 runter gesetzt. Mein Arbeitskollege, den ich am Kopierer traf, hob bewundernd die Augenbrauen und säuselte: „Schick, solltest öfter mal Kleider tragen!“ Ich, wie aus der Pistole geschossen: „Nur 80 Euro im Ausverkauf.“ Er, völlig verständnislos: „Warum müssen Frauen nur immer sagen, was sie bezahlt haben. Ich wollte dir nur ein Kompliment machen und nicht den Preis wissen. Wenn dein Mann dir Komplimente zu deinen verführerischen Dessous macht, sagst du dann auch: bei KIK vom Grabbeltisch, nur 3,95 Euro?“ Jetzt guckte ich verständnislos aus meinem geblümten Restposten. Haben wir Frauen ein Schäppchen-Gen? Und weil wir dazu auch noch geschwätzig sind, müssen wir es jedem auf die Nase binden, was wir bezahlt haben? Meine Mutter ist schuld, die hat’s mir vererbt. Und ihre Mutter ist schuld. Und die Mutter ihrer Mutter usw. Es ist die sparsame Hausfrau, die von einer Mark eine 7-köpfige Familie drei Tage lang ernährte. Denn Sparsamkeit war eine der Tugenden, die eine gute Ehefrau ausmachten. Natürlich würden Männer sich niemals damit brüsten, ihr Hemd billig im Ausverkauf erstanden zu haben. Selbst wenn sie schrappig sind, wie Louis, der Geizkragen. Stellen Sie sich einen Mann vor, der Sie zum Essen einlädt, das Gutscheinbuch auspackt und erzählt, dass er den Blumenstrauß für Sie um Punkt zwei Uhr auf Markt erstanden hat, weil es dann die Reste zum halben Preis gibt. Alarmstufe rot! Diesen miesen Kniepsack lassen Sie doch auf der Stelle sitzen und suchen schleunigst das Weite. Ein Mann, das haben wir gelernt, ist nur ein guter (Ehe-)Mann, wenn er generös und spendabel ist. Wenn Frauen und Männer also das Gleiche tun, ist längst nicht dasselbe: Frauen sind also sparsam und Männer sind geizig.

Ausgabe 05-2011

 

Video - Das Gesicht 2010

Video - Das Gesicht 2009