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Fair Fashion – Die Mode mit dem guten Gewissen

Wo kommt eigentlich die Kleidung her, die wir jeden Tag tragen? Wie wurde die Baumwolle für meine Shirts produziert? Wer hat meine Jeans genäht? Was verdienen die Produzenten meiner Sneaker? „Made in India“ - die Etiketten in unserer Kleidung sagen uns nur, in welchem Land produziert wurde, mehr nicht. Auf keiner anderen Pflanze werden mehr gefährliche Insektizide eingesetzt als auf Baumwolle, was mit massiven Schädigungen von Umwelt und Gesundheit einher geht. Eine nachhaltige Alternative ist der kontrolliert biologische Anbau des "weißen Goldes".

Immerhin stieg die Produktion von „Organic Cotton“* in den letzten zehn Jahren von knapp 6.000 auf rund 250.000 Tonnen weltweit. Bereits Anfang der 90er Jahre boten Mode- und Versandunternehmen wie H&M oder Otto Öko-Kollektionen an. Als Pionierin galt hier auch Britta Steilmann, die Tochter des „Mode für Millionen“-Unternehmers Klaus Steilmann. Sie wollte umweltfreundliche Verfahren in der Textilproduktion durchsetzen und brachte auch eine eigene Öko-Kollektion auf den Markt. Für ihr Engagement wurde sie 1993 zur "Öko-Managerin des Jahres" gekürt. Seitdem hat sich viel getan auf diesem Markt. Längst geht es nicht mehr allein um eine umweltfreundliche Produktion. Auch das soziale Gewissen ist wichtig. Fairplay gegen Ausbeutung. Denn nach wie vor schwitzen Näherinnen und Näher in nicht klimatisierten Hallen in Malaysia, Indien oder Burma. Sie schuften oft 14 Stunden am Stück, 7 Tage die Woche für einen Hungerlohn. Auch Kinderarbeit ist nicht selten. Die Konsequenz scheint so einfach wie logisch. Der Konsument bezahlt einfach etwas mehr für ökologisch unbedenkliche und fair gehandelte Produkte. So können etwa die Kinder der ArbeiterInnen zur Schule gehen.

Durch Aufklärungsarbeit ist das gesellschaftliche Bewusstsein für „Bio“ und „Fair Trade“* enorm gewachsen. Die Botschafterinnen fair gehandelter Produkte heißen Cosma Shiva Hagen, Emma Watson oder Annett Louisan. Sie besuchen Fabrikarbeiterinnen in Projekten in Bangladesch, Baumwollpflücker in Afrika oder lächeln für Fairtrade Kampagnen. Schauspielerin Emma Watson („Harry Potter“) engagiert sich für People Tree, einem englischen Label für Kleidung aus Fairtrade-Bio-Baumwolle. Unter ihrem Namen gibt es eine Kollektion, die sie selbst entworfen hat und dafür auch modelt. Die Liste der Promis, die sich zu einem ethisch-ökologischen Leben bekennen ist lang. Lifestyle Ökos geben auch in Hollywood den Ton an und den Laufsteg hat die „Öko-Mode“ längst erobert. Viele Jungdesigner haben sich der fairen Sache verschrieben und entwerfen witzige und coole Klamotten für junge Leute. Die trendigen Label geben sich Namen wie Göttin des Glücks, Armedangels, Hirschkind oder Fairliebt. Dem Urban-Design-Label Kuyichi gelingt der Spagat zwischen Fair Trade und Organic und coolen Styles und edelster Trendwear. Kuyichi produziert den größten Teil seiner Kollektion organisch und belegt seine Öko-Bilanz sogar regelmäßig mit Zahlen. Eine Liste der Marken mit grünem und sozialem Anspruch gibt es z.B. unter www.fair4you-online.de. Aber auch die etablierten Marken kommen nicht daran vorbei, Produkte aus Bio-Baumwolle und/oder Produkte, die unter fairen Bedingungen gefertigt werden, anzubieten. Denn die Verbraucher sind durchaus kritischer geworden. Die Nachfrage regelt das Angebot. So hat das niederländische Label „expresso“ ebenso eine eigene Eco-Produktlinie, wie „Marc O’Polo“. Für das Segment 100% Organic Cotton arbeitet Marc O'Polo mit der Remei AG zusammen, welche die gesamte textile Produktionskette koordiniert, kontrolliert und kommuniziert, vom Anbau bis zur Auslieferung.

Vor mehr als zehn Jahren erkannte auch Claudia Lanius, Designerin und Geschäftsführerin des des Kölner Labels Lanius die Zeichen der Zeit: ökologische, qualitative und nachhaltige Aspekte mit dem Sinn für Style, Farben und Formen zu verbinden. Sie setzte auf Grün und ist damit erfolgreich. In ihren Kollektionen mit den femininen, schmeichelnden Linienführungen finden Naturmaterialien mit Eco-Fashion-Anspruch und Prüfsiegel Verwendung: Baumwolle, Seide, Leinen, Hanf und Denim – alles „Organic“. Verantwortungsbewusste Arbeitsweisen sind fester Bestandteil der Markenphilosophie.

Nach dem Erfolg von Bio-Lebensmitteln wurde Mode von den Trendforschern als der nächste große Öko-Boom gehandelt. Aber die Realität der Einkaufsstraßen vermittelt einen anderen Eindruck. Viele Verbraucher treibt die Suche nach dem ultimativen Schnäppchen in die zahlreichen Ramschläden der Innenstädte. Ökologie hin, soziales Gewissen her – wenn es das Portemonnaie nicht hergibt, dann nutzen auch beste Absichten nichts. Dabei sind die fairen Produkte ja nicht unbezahlbar, aber sie kosten eben mehr – manchmal das Doppelte und Dreifache, was man bei Billigketten bezahlt. Und vielleicht liegt es auch ein wenig an der Überforderung der Verbraucher, sich mit den Prüfsiegeln und den verschieden Marken intensiver zu beschäftigen. Gütesiegel wie die Fairtrade-Logos oder auch ein Blick auf die Homepage der Kampagne für saubere Kleidung können schon weiterhelfen. Dennoch, wer es sich leisten kann, sollte unbedingt zu fairer Mode greifen. Das gute Gewissen gibt es gratis dazu.

Ausgabe 04-11

 

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