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Die Kunst, würdevoll zu altern

Mutter zu sein ist schon eine verdammt harte Sache. Von jetzt auf gleich übernimmt man eine Menge Verantwortung, wandelt meist vom Vamp zum seriösen Wesen. Der früher spontan gestaltete Alltag wird durchgeplant, bis zur Kindergartenzeit steht das eigene bislang unbeschwerte Leben kopf.

Aber es gibt Hoffnung – dachte ich zumindest. Spätestens, wenn die lieben Kleinen den Kinderschuhen entwachsen sind, müsste sich doch die Unbeschwertheit und Attraktivität wieder einstellen... Leichter gedacht als getan, denn ich habe die Meinung junger Heranwachsender unterschätzt, für die liebende Mütter alternde Fossilien und nicht jung gebliebene Mitdreißiger darstellen. Am eigenen Leibe feststellen konnte ich dieses merkwürdige Verhalten, als mich mein liebster Sohn zu einem Shoppingbummel begleitete: Kurze Röcke wurden mit angewidertem Gesicht zurückgehangen, ausgeschnittene Tops für "zu jugendlich" befunden und hohe Stiefel wichen bequemen Birkenstocklatschen "Damit kannst du doch besser laufen"...Ich frage mich, wie mich meine augenscheinlich zu Dinosaurierfüßen mutierten Fortbewegungsmittel die ersten 25 Jahre meines jungen Lebens überhaupt getragen haben... Der knapp geschnittene, nach meinem Dafürhalten äußerst attraktive Bikini ließ meinem Sohn die Farbe aus dem Gesicht weichen und der knallrote, zugegebenermaßen nicht ganz passende Lippenstift brachte wahre Beschwörungen auf den Plan: "So kannst du doch nicht rumlaufen, dafür bist du schon zu alt" ätzte mein liebster Sohn lautstark vor sich hin und trieb mir die Röte ins faltige Gesicht. Wer jetzt denkt, damit sei der Gipfel der mir angedachten Demütigungen erreicht, der irrt: Auch wenn es um Liebesbekundungen für den Ehemann, romantisches Händchenhalten oder einen Diskobesuch geht, steht unserem Sohn und seinen Freunden das blanke Entsetzen ins Gesicht geschrieben. Nicht nur, dass wir mit unserem vermeintlich schweren Gehör noch aktuelle Musik hören, auch die Tatsache, dass es noch so etwas wie Erotik zwischen Eltern eines bestimmten Alters gibt, erscheint den Jungs nahezu suspekt. Ebenso verhält es sich mit harmlosen, ehrlicherweise immer weniger werdenden Flirts: Nach Meinung meines liebsten Kindes sind Männer, die sich mit einer "Greisin" wie mir unterhalten, geradezu pervers. Dies alles, liebe Mütter, trägt sicherlich nicht dazu bei, dass wir unsere jugendliche Attraktivität über die ersten Erziehungsjahre hinweg retten. Aber ein wenig Konsequenz in dieser Hinsicht kann sicherlich nicht schaden, denn immerhin gibt es dank sogenannter "Über 30 Partys" genug Abwechslung, in angemessenem Altersdurchschnitt mal wieder nur Frau sein zu können. Und auch, wenn die ein oder andere Mama dies jetzt verneinen sollte, ein wenig Zuspruch und Anerkennung des anderen Geschlechts schadet unserem Selbstbewusstsein sicher nicht.

Ausgabe 11. 2007

 

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