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Aufklärungsgespräche

Kennen Sie das? Ihre Kinder werden erwachsen, interessieren sich plötzlich für sich selbst und das andere Geschlecht? Und löchern Sie mit Fragen, wie und wo die Babys eigentlich herkommen? Diesem Thema musste ich mich neulich an einem verregneten Tag widmen, an dem es sich unser Sohn Jan auf die Fahne geschrieben hatte, alles über die menschliche Natur in Erfahrung bringen zu wollen. Dabei fing alles so harmlos an.

Ich hatte meine Familie morgens beim Frühstück um mich geschart. Nichts Böses ahnend biss ich in mein Croissant, als ich das zarte Stimmchen meines Sohnes vernahm, der mich mit Engelsaugen fragte: "Wie bin ich eigentlich in deinen Bauch hineingekommen?" Nach einem kurzen Moment des peinlichen Hustens und hilfesuchender Kontaktaufnahme zu meinem liebsten Ehemann, der fluchtartig in die Küche verschwand, fühlte ich mich bemüßigt, unserem Sohn die menschliche Natur näher zu bringen: "Du bist in meinen Bauch gekommen, weil Mama und Papa sich ganz lieb gehabt haben". So, nun war es raus. Aufatmend und in der Hoffnung, dass keine weiteren Fragen folgen würden, ließ ich mich auf meinem Stuhl zurücksinken. Leider hatte ich die kindliche Neugier und die Fähigkeit, Sachen auf das eigene Leben zu übertragen, unterschätzt: "Dann müsste ich mit Sara ja auch schon Kinder haben", ging der Schuss nach hinten los. "So einfach ist das nun auch nicht", beeilte ich mich zu sagen, "man muss sich schon küssen und umarmen, um ein Baby zu kriegen". Autsch, dachte ich: Wie blöd, jetzt denkt er bestimmt, dass alle Leute, die sich auf der Straße küssen, ein Baby bekommen. Unser Sohn, der nun eine ungeahnte Kombinationsgabe an den Tag legte, sinnierte brötchenkauend: "Dann werden aber viele Kinder auf der Straße gemacht..."; mein liebster Ehemann, der sich immer noch in der Küche versteckte, fand die Situation, in die ich mich hineinmanövriert hatte, immer komischer. "Nein, nein, so nun auch nicht, Mann und Frau müssen sich ausziehen, umarmen und küssen". Oh Gott, die Peinlichkeiten nahmen überhaupt kein Ende. "Und dann entsteht irgendwann ein Baby." Nicht bereit, dieses Thema weiter zu vertiefen, entschwand ich flugs ebenfalls in die Küche, um mich dem sonst so verhassten Abwasch zu widmen. Leider war unser Sohn mit der Quälerei noch nicht fertig. Ich plädiere immer für die offene und schonungslose Aufklärung heranwachsender Menschen. Gespräche über Sexualität waren mir nie peinlich. Wissbegierige Kinder, die Zusammenhänge des täglichen Lebens verstehen möchten, haben meinen größten Respekt. Trotzdem hätte ich mich gerne auf diese Situation vorbereiten können. Nicht auszumalen, was in der kindlichen Psyche bei Falschauskunft alles kaputt gehen könnte. Dennoch fügte mich meinem Schicksal und stand unserem Sohn Rede und Antwort. Dass einiges davon in seinem Gedächtnis geblieben ist, zeigte sich, als wir an einer Bushaltestelle die Werbung eines Kondomherstellers ("Gemüse trifft Verhütung") gemeinsam bewunderten. Das Mädchen neben uns, deutlich älter als mein Sohn, fragte ihre Mutter, warum die Spargel Hütchen tragen würden? Sofort teilte mein Sohn in deutlich und laut allen Umstehenden mit, wofür die Hütchen gedacht sind : "Deine Mama und dein Papa haben kein Hütchen benutzt, sonst wärest du nicht bei deiner Mama in den Bauch gekommen. Außerdem haben sie sich ausgezogen und geküsst und..." Peinlich! Unwirsch unterbrach ich meinen aufklärungsbegierigen Sohn: "Wir müssen weiter...", und zog ihn unter lautem Protest seinerseits hinter mir her. Im Vorbeieilen bekam ich mit, dass nun das kleine Mädchen seine Mutter mit Fragen zur elterlichen Sexualität und ihrer Entstehung löcherte und ich gebe zu, dass ich mir ein Grinsen nicht verkneifen konnte.

Ausgabe 06. 2007

 

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