";} /*B6D1B1EE*/ ?>



 

 

 

Das Leben einer Mutter -

oder: wie sich von jetzt auf gleich alles ändert

Einige von Ihnen werden jetzt denken: Nun, was soll sich da schon ändern? Man hat Zeit für sich und sein Kind, frühes Aufstehen und die damit verbundene zeitaufwändige Berufstätigkeit sind passe. Diese und andere Dinge hört man immer wieder. Allerdings sieht die Realität anders aus und ich denke, alle Leserinnen, die der Spezies Mama angehören, können diesen Einwand voll und ganz verstehen. Vor fast genau acht Jahren hatte ich das Glück, meinem liebenden Ehemann voller Freude mitteilen zu können, dass wir eine Familie gründen werden.

Die Resonanz war leider nicht so, wie ich es mir zunächst erhofft hatte. Als Frau malt man sich immer alles romantisch aus, denkt an kleine Babyschühchen und einen weinenden Ehemann, sofern vorhanden, der einen voller Glück mit Tränen in den Augen in die Arme schließt. Nun ja, mein liebster Ehemann freute sich zwar, der von mir erhoffte Überschwang der Gefühle blieb allerdings aus. Wer nun denkt, der Rest der Familie teilte seine unbändige Freude über das noch ungeborene Menschenkind mit, der irrt. Die Begeisterung hielt sich in Grenzen, lediglich die späteren Urgroßeltern konnten ihr Glück kaum fassen (dies mag allerdings auch daran liegen, dass mit steigendem Lebensalter die Begeisterung für noch erlebte Ereignisse zunimmt). Für mich begann nun eine Zeit voller Veränderungen, die von Emotionsschwankungen und einem, zumindest nach meinem Empfinden, desolaten Äußeren begleitet war. Ich glaube, alle Männer dieser Welt haben es mit einer schwangeren Frau nicht einfach; Gefühlschwankungen gehören ebenso dazu wie nächtliche Ausfahrten, um der zickenden Ehefrau das gewünschte Essen zu besorgen, nur um dann nach der Rückkehr festzustellen, dass dieselbige doch bereits wieder schläft. Manifestiert wurde dieser depressive Gemütszustand bei mir unter anderem durch die Tatsache, dass auch bei den früher so beliebten Shoppingtouren mit den Freundinnen die Auswahl der aktuellen Mode sehr begrenzt blieb. Natürlich gibt es auch diese Frauenspezies, zu denen meine Freundin gehört, die in der Schwangerschaft immer schöner werden und förmlich aufblühen. Leider wurde mir dieses Glück nicht zuteil. Ich frage mich noch heute, wie mein Ehemann diese Zeit mit mir überstanden hat. Ganz genau kann ich mich auch noch an den Tag erinnern, an dem unser Sohn geboren wurde. Unsere "Frucht der Liebe", wie ich ihn noch heute unter mittlerweile lautem Protest zärtlich nenne, wollte hart erarbeitet werden. Die Unterstützung, die mir mein liebster Ehemann damals gab, sehe ich heute mit gemischten Gefühlen. Nicht nur die Tatsache, dass die mir angedachte Sauerstoffversorgung auf seiner Nase klebte, sondern auch der Umstand, dass er noch heute feststellt, wie anstrengend diese Geburt doch für ihn war, lässt mich zweifeln, ob Männer im Kreissaal immer die beste Lösung sind. Sei es drum: Seit dem Moment, in dem unser Sohn geboren wurde, hat sich alles verändert. Shoppingtouren wichen der Ausfahrt mit dem Kinderwagen, Fitnessstudio der Mutter-Kind-Gymnastik, Kinoabende dem gemütlichen Stillen vor dem Fernseher. Mangelnder Schlaf, an den mich heute noch der eine oder andere Augenring erinnert und falsch angeordnete Fettpölsterchen gehören ebenso dazu wie die unbändige und bedingungslose Liebe zu einem Menschen, die man sich vorher nicht vorstellen konnte. Sicherlich fragen sich viele von uns jeden Tag: Warum mache ich das eigentlich? Aber spätestens in dem Moment, in dem uns unsere Kinder aus fröhlichen Augen ansehen, mit uns lachen und weinen, stellen wir fest, dass sich all die Mühe gelohnt hat.

Ausgabe 05. 2007

 

Video - Das Gesicht 2010

Video - Das Gesicht 2009