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Das erste Frauenmuseum der Welt feierte den 30. Geburtstag

Ein ehemaliges Kaufhaus in der Bonner Innenstadt beherbergt seit nunmehr 30 Jahren das erste Frauenmuseum der Welt - gegründet 1981 von Marianne Pitzen, Künstlerinnen, Architektinnen und Frauen aus verschiedenen Berufen. Die zentrale Idee war, ein Frauenkulturzentrum und Ausstellungsräume für künstlerisch tätige Frauen zu schaffen. Denn auch die Kunst war über Jahrhunderte eine männlich geprägte Domäne, in der es Frauen sehr schwer hatten, überhaupt Fuß zu fassen, geschweige denn, sich einen Namen zu machen.

Die Bilanz der letzten dreißig Jahre: Rund 600 Ausstellungen mit Werken von über 2.500 Künstlerinnen, international und regional. Dazu bisher 20 Kunstmessen, fünf Designmessen und über 1000 Veranstaltungen, Vorträge, Konzerte, Lesungen, Theater und Diskussionen, nicht zuletzt ein üppiges Kinderprogramm des Kinderateliers. Problematisch damals wie heute: die Finanzierung des Projekts – zumal die Stadt Bonn eine Kürzung der Unterstützung plant.

Das Frauenmuseum hat durchaus Modellcharakter, denn es kommen immer wieder interessierte Gruppen oder Personen, die sich erkundigen, wie das Museum funktioniert. Im vergangen Jahr etwa eine offizielle Delegation aus Izmir, die ein Frauenmuseum eröffnen will und auch eine Frauenrechtlerin aus dem Iran, die ebenfalls dabei ist, ein Frauenmuseum zu gründen. „Hier geht es jedoch ganz bewusst darum, Frauenrechte gegen die Islamisten zu verteidigen“, sagt Pressesprecherin Dr. Klaudia Nebelin. Die Anzahl der Frauenmuseen wächst stetig. Zum Jahresanfang kam eine Initiative aus Schweden neu hinzu, am 8. März eröffnete ein Frauenmuseum in Mexiko. In Deutschland gibt es außer Bonn seit 1984 Wiesbaden, seit 1986 das Verborgene Museum in Berlin und seit 2003 in Fürth das Museum Frauenkultur Regional International. Weitere Informationen über die Frauenmuseen und Initiativen findet man unter www.womaninmuseum.net.

 

 

Interview mit Museumsdirektorin Marianne Pitzen

 

Frau Pitzen, brauchen wir eigentlich noch ein Frauenmuseum? Es gibt doch mittlerweile auch Künstlerinnen bei allen großen Kunstevents.

Das scheint nur so. Künstlerinnen sind heute sichtbarer als vor 30 Jahren. Sie sind aber nicht nachhaltig da, ihre Werke werden nicht gekauft. Ihre Werke erleben leider nur eine kurze Blüte. Denken Sie an Pipilotti Rist, Cosima von Bonin, Isa Gensken. Außerdem: Ein Eisenbahnmuseum macht doch auch nicht dicht, weil es neue Lokomotiven gibt. Und: Zu uns kommen jährlich ca. 30.000 Besucher aus der Region. Das zeigt doch, dass wir eine unglaubliche Attraktivität haben.

 

Ärgert es Sie, wenn gerade junge Frauen sich von den Feministinnen distanzieren? Gilt auch in der Kunstszene der Feminismus als Schmuddelwort? Als Karrierekiller?

Das macht mir überhaupt nichts aus. Die Kunst muss mit Provokationen arbeiten. Gern sollen die jungen Frauen neue Begriffe kreieren, denn die großen Dinge sind noch nicht vom Tisch – denken Sie an die Diskussion über die Quote.

 

Wer ist für Sie als Künstlerin Vorbild?

Käthe Kollwitz ist wegweisend für mich, weil sie soziale und politische Ambitionen mit einer sehr eigenständigen Kunst zusammenbrachte.

 

Gibt es ein Vorbild für Ihr eigenes Wirken in diesem Haus?

Im Grunde war ich selbst Vorbild. Ich musste mich selbst erfinden, denn es gab ja kaum Museumsdirektorinnen. Aber ich habe von der Aufbruchstimmung der tüchtigen Frauen, ihrer Wut, und den politisch „zornigen Frauen“ - wie der Zeitungsmacherin Alice Schwarzer - profitiert. Erst später, als gut ausgebildete Frauen in die Museumspädagogik drängten und sich als Kuratorinnen einen Namen machten, rollten sie die traditionellen Museumstrukturen auf. Das hat auch den Museen gut getan. Ein neuer Geist zog ein. Publikum war gewollt!

 

Sie blicken zurück auf 30 Jahre Frauenmuseum. Was waren die Meilensteine?

Das Gebäude überlassen zu bekommen! 1981 dann der Vertrag; 1984 gab es schon einen besseren Vertrag. Für das Museum war das Projekt „Utopia“ - 1. Bonner Kunstwoche wichtig, nun stand die Kunstszene hinter uns. Für das Museumsgebäude war 1988 ein wichtiges Jahr. Das Dach wurde begrünt und wir erhielten Solarpanele und neue Lampen. Erstmalig unterstützten uns LVR, Stadt und Land gemeinsam.

1989 schafften wir mit „Die Bonnerinnen“ den Sprung aus der Ehrenamtlichkeit; 2003 war für das Museumsgebäude ein wichtiges Jahr, neben Brandschutzmaßnahmen konnten wir auch endlich die „Kaufhausarchitektur“ überwinden. 2009 luden wir zur ersten Weltausstellung aller Frauenmuseen nach Bonn, auch ein großartiger Schritt mit großem Erfolg: ca. 50 Frauenmuseen kamen. Aus der Rückschau kann ich sagen, je länger wir existierten, umso leichter konnten wir auch die historischen Themenausstellungen zu Matriarchat und Mythen angehen.

 

War das Frauenmuseum die Wiege für Künstlerinnenkarrieren?

Wir haben immer Klassen von Akademien ausgestellt, z.B. von Prof. Ulrike Rosenbach, (zweimalige Documenta-Künstlerin) aus diesen Kreisen sind einige Künstlerinnen hervor-gegangen, z.B. Sonja Alhäuser, Amely Spötzl, Judith Samen.

 

Was war Ihre größte Niederlage?

Das Ärgste: 1997 fand die Ausstellung „Ruhm“ statt und wir planten, eine Sammlung aufzubauen. Der damalige Kulturdezernent wollte das nicht und dadurch entging uns die Unterstützung des Landes. Sehr, sehr ärgerlich. Und sonst? Palastrevolutionen, aber die übersteht man. Wissen Sie, es hätte viel schief gehen können, aber wir haben eigentlich viel Glück gehabt.

 

Wir haben über das Gestern und das Heute gesprochen. Was planen Sie für die Zukunft?

Unsere Aufgaben sind immer noch riesig. Es gibt immer wieder neue Themen, Projekte, die in der Luft liegen, z.B. alleinerziehende Mütter, Migrantinnen, Frauen in den Weltreligio-nen…

Unser Museum ist zwar nicht direkt eine Einrichtung zur Verbesserung der Lage der Frauen, aber wir zeigen Entwicklungen auf. Wir lernen von der Geschichte, permanent. Mit anderen Worten: Wir werden auch weiterhin ein investigatives Museum sein, - könnte man so locker sagen -, das die Verhältnisse kritisch hinterfragt, das etwas für Veränderungen tut, aber die musealen Grundaufgaben bleiben natürlich: Sammeln, bewahren, forschen und vermitteln. Letzteres machen wir mit besonders viel Engagement und Vergnügen!

 

Kann das Museum überleben, wenn die Stadt Bonn die Unterstützung wie geplant kürzt?

Klares Nein, denn die geplante Kürzung würde die komplette Mietzahlung unmöglich ma-chen, die ja an die Stadt geht, - die Stadt zahlt sich ja quasi selbst die Miete. Konkret:

Von den 180.000 Euro städtischer Unterstützung gehen direkt 90.000 Euro an das Liegenschaftsamt. Vom Rest müssen Nebenkosten bezahlt werden (40.000-50.000 Euro). Der Rest, das sind 40.000 Euro, wird für Gehälter und die Ausstellungen verwendet. Das heißt, ohne viel Ehrenamt und Projektfördergelder geht schon jetzt nichts.

 

Video - Das Gesicht 2010

Video - Das Gesicht 2009