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Schauspielerin Sarah Stork:

„Ich liebe Filme, die berühren…“

Sarah Stork ist erst 23 Jahre alt. Sie bekam direkt nach der Schauspielausbildung die Hauptrolle der Floristin Sandra Ostermeyer in „Sturm der Liebe“. Bei „Das Gesicht 2010“ war sie zu Gast. Woman in the City hat die junge und erfolgreiche Schauspielerin interviewt.

Wie kommt man kurz nach der Ausbildung an eine Hauptrolle? Das gelingt doch bestimmt nicht vielen ...?

Direkt nach der Ausbildung habe ich mein Demoband produziert und so meine jetzige Agentin kennengelernt. Dann ging alles ganz schnell ...

Sie sagte, Du ich würde Dich gerne aufnehmen – das war, glaube ich, ein Donnerstag. Und sie sagte direkt: Der Sturm der Liebe sucht eine neue Hauptdarstellerin. Ich schlage Dich da vor. Einen Tag später, Freitag, rief sie mich wieder an. Die Produzenten von Sturm der Liebe wollten wissen, ob ich für die Zeit der Dreharbeiten nach München ziehen würde. Ich sagte: Klar, mache ich. Zwei Stunden später rief sie wieder an: Montag ist Dein Casting. Puh!

Ich bekam sofort zwei Szenen und das Rollenprofil zugeschickt. Das Wochenende über habe ich gelernt, Montag fand das Casting in München statt und habe Dienstag habe ich die Zusage erhalten. Das war echt der Wahnsinn! Ich kam gedanklich gar nicht so schnell hinterher.

 

Als Sandra Ostermeyer haben Sie ja viel durchgemacht ... ein neues Herz bekommen, Sie waren von einer Lawine verschüttet. Wie bereitet man sich als Schauspieler darauf vor?

Zuerst recherchiere ich. Für den Sturm der Liebe habe ich Biografien gelesen von Menschen, die eine Herztransplantation hatten. Ich arbeite gerne mit sense memory, das ist Teil einer Methode, die sich method acting nennt und ursprünglich von Lee Srassberg in New York entwickelt wurde. (Anmerkung Redaktion: Beides sind Methoden, sich Rollen zu nähern und Schauspielerei zu lernen. Der Schauspieler arbeitet mit Erinnerungen an eigene Erlebnisse und mit Entspannungstechniken).

 

Im Juni haben Sie die letzte Folge Sturm der Liebe abgedreht. Was kam dann?

Oh, ich war in Schweden. Ich habe „Schatten der Vergangenheit - Die Geschichte einer Tänzerin“ einen Inga Lindström-Film gedreht. Dort spiele ich die Rolle der Freda. Sie ist eine Profitänzerin, die sich den Knöchel bricht und in der Endaufführung nicht dabei sein kann. Das war eine tolle Zeit, aber auch sehr anstrengend! In dem Film tanze ich Modern Dance. Ich hatte jeden Tag sechs Stunden Tanztraining!! Das war schon viel, obwohl ich leidenschaftlich gerne tanze!

Dann habe ich einen zweiwöchigen Workshop in Zürich gemacht, der von einem ehemaligen Lehrer der Lee Strassberg Schule in New York gegeben wurde. Wenn man täglich dreht, hat man wenig Zeit zum Experimentieren. Darum war es mir wichtig, wieder neue Herangehensweisen auszuprobieren und an mir zu arbeiten.

 

Wow, so ein richtiger Sonntagabend-Klassiker!?

Ja, sozusagen. Ich finde es auch schade, dass so viele schlecht über das deutsche Fernsehen und über den deutschen Film denken. Es ist schon so, dass amerikanische Blockbuster viel mehr Budget und darum auch ganz andere Möglichkeiten haben, aber ich habe auch den Eindruck, dass bei uns im TV manchmal an den falschen Ecken gespart wird. In den USA ist jede kleinste Rolle mit einem Schauspieler besetzt. Dort heißt es auch nicht Nebenrolle wie bei uns, sondern supporting role, also unterstützende Rolle. In Deutschland ist es oft so, dass kleine Nebenrollen mit Laien besetzt werden. So etwas merken Zuschauer, denn es irritiert und bringt einen manchmal aus der Szene raus. Das ist vielleicht auch dass, was von vielen als mangelnde Qualität empfunden wird.

 

Sie waren doch auch kürzlich bei den Filmfestspielen in Venedig?

Ja, das war toll! Ich habe, glaube ich, an fünf Tagen 19 Filme gesehen. Wobei alle sehr schwermütig waren und ziemlich sozialkritisch. Ich war sogar mehrmals mit Quentin Tarantino in einem Kinosaal, der natürlich von seinem Bodyguard abgeschirmt war. Aber immer wenn Tarantino ins Kino kam, ging tosender Applaus los. Ich dachte anfangs, da käme die Filmcrew von dem Film, der gleich gezeigt wird ... Aber er galt Tarantino. Mit Fatih Akin habe ich auch einmal den Kinosaal teilen dürfen.

 

Hatten Sie in Venedig einen Gänsehaut-Moment?

Ja, bei einem Film ganz besonders, er beruhte auf Tatsachen. Der Film heißt Venus noir, spielt um ca. 1840 in England und erzählt die Geschichte einer farbigen Frau. Die Frau wird von ihrem Besitzer als wildes Tier in einer Show vorgeführt. Sie möchte eigentlich zurück nach Afrika, aber ihr Besitzer lässt sie nicht gehen. Im Verlauf der Geschichte fällt sie immer tiefer, prostituiert sich schließlich. Von ihr wurde nach ihrem Tod eine Gipsfigur gefertigt. In 2003 bat Afrika darum, die Gipsstatue zurückzubekommen, um die Frau symbolisch in ihrem Land zu begraben, weil dies zu Lebzeiten immer ihr Wunsch war.

Nachdem der Film zu Ende war, gab es bestimmt zehn Minuten Standing Ovations. Die Hauptdarstellerin war zu Tränen gerührt- kein Wunder. Das ist wirklich eine große Leistung, wie sie diese Figur verkörpert hat.

 

Was wäre denn Ihre Traumrolle?

Romy Schneider! Ich habe, glaube ich, alle Biografien gelesen. Das ist für mich ein ganz beeindruckender Mythos Frau. Was mich an ihr fasziniert ist dieses absolute Wollen, das unbedingt spielen müssen. Das beeindruckt mich sehr. Sie hat jede Rolle mit soviel Empathie und großer Intensität verkörpert, auch, oder gerade weil, ihr Leben kein leichtes war.

 

Sind Sie auch ein bisschen wie Romy?

Naja, zum einen wollte ich schon immer und unbedingt Schauspielerin werden. Ich finde es einfach super spannend, andere Charaktere zu verkörpern und so Emotionen kennenzulernen, die mir bis dahin fremd waren und vor allem diese für den Zuschauer zugänglich zu machen. Ich möchte Menschen berühren. Ich würde auch gerne einmal Figuren verkörpern, die mehr von ihren Schattenseiten geprägt sind, z.B. eine Drogensüchtige, was sowohl psychisch, als auch physisch eine Herausforderung darstellt. Man muss herausfinden, wie man dorthin kommt, um es nachvollziehen zu können. Und ich liebe Filme, die berühren, die etwas bewegen und auslösen in einem selbst. Von daher, ja, vielleicht ein bisschen wie Romy.

 

Mit wem möchten Sie gerne einmal spielen?

Brad Pitt! Nicht nur, weil er gut aussieht, sondern weil er auch ein ganz toller Schauspieler ist. Oder mit Leonardo di Caprio, den finde ich auch ganz großartig. In Deutschland würde ich gerne mal etwas mit Til Schweiger machen, einfach weil ich seine Filme gerne mag. Oder auch mit Florian David Fitz, von dem bin ich Fan seit ich Vincent will Meer gesehen habe.

 

Schon etwas Neues in Aussicht?

Ich habe mir abgewöhnt, über unsichere Projekte zu sprechen, sondern erst dann, wenn es wirklich spruchreif wird. Erstmal fliege ich zusammen mit meiner Oma nach Israel und dann mal weitersehen…

Ausgabe 10-2010

 

 

Video - Das Gesicht 2010

Video - Das Gesicht 2009