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Windige Anbieter in der Modelbranche

Der Traum von Glitzer, Glamour und dem großen Geld

Bis zu 20.000 junge Frauen bewerben sich jährlich für die Castingshow "Germany’s next Topmodel". Sie alle haben den Traum, reich und berühmt zu werden. Nur wenige von ihnen haben es nach oben geschafft. Das große Geld verdienen erst mal Pro Sieben und Heidi Klum. Das Geschäft mit dem Traumjob als Model boomt – nicht nur im TV. Windige Agenturen locken mit der großen Karriere - und kassieren. Woman In The City sprach mit der Dortmunder Agenturinhaberin Karin Kelly über seriöse und unseriöse Praktiken in der Modelbranche.

WITC: Frau Kelly, Sie arbeiten bereits seit vielen Jahren selbst als Model und haben vor neun Jahren Ihre eigene Agentur "Kelly Faces" gegründet. Wenn sich eine junge Frau für eine Karriere als Model interessiert, was sollte sie auf keinen Fall tun?

Kelly: Auf Kleinanzeigen reagieren. Oft wird damit geworben, dass ganz normale Menschen im Alter von 18 bis 80 Jahren für die Werbung gesucht werden. Die Castings finden dann im Hotelzimmer oder in der Lobby statt. Da wird das Blaue vom Himmel versprochen und dann ins Portemonnaie gegriffen, z.B. 400 Euro oder mehr für ein drittklassiges Foto-Shooting, eine überteuerte Erstellung einer Sedcard* oder es wird gleich eine Aufnahmegebühr fällig.

Seriöse Agenturen verrechnen anfallende Kosten z.B. mit dem ersten Auftrag.

WITC: Von welchen Kosten sprechen Sie?

Kelly: Wir nehmen z.B. eine Gebühr von 50 Euro für die Erstellung der Online-Sedcard - (lacht) eigentlich Peanuts, das wird aber verrechnet. Gute Fotos – z.B. für die Sedcard sind ebenfalls wichtig. Aber auch hier ziehen die seriösen Agenturen die Kosten vom Honorar des Models ab. Es gibt auch sogenannte TfP Shootings – ein Shooting auf Gegenseitigkeit: der Fotograf bezahlt das Model nicht und umgekehrt. Im Vorfeld sollte also niemals etwas bezahlt werden. Auch sollte bei Verträgen immer auf das Kleingedruckte geachtet werden. Da kann durchaus so etwas auftauchen wie "wenn innerhalb von drei Monaten keine Vermittlung zustande kommt, wird die Aufnahmegebühr erneut fällig". So etwas nenne ich "Abzocke".

WITC: Wie kann ich mich vor solchen "Abzockern" schützen?

Kelly: Bis vor einigen Jahren vergab die Bundesanstalt für Arbeit noch Lizenzen. Ich habe noch eine solche Lizenz erhalten. Das wurde jedoch abgeschafft und somit kann heute jeder eine Modelagentur gründen. Eine erste Orientierungshilfe kann auch der "Verband lizensierter Modelagenturen (Velma)" bieten. Hier sind über zwanzig Agenturen organisiert, die sich verpflichten, nach bestimmten Qualitätskriterien zu arbeiten. Wichtige Indikatoren, ob eine Agentur seriös arbeitet sind z.B. die Referenzkunden oder auch, wie lange es die Agentur bereits gibt. Windige Anbieter haben meist überhaupt keine Kunden, an die sie ihre Models vermitteln könnten. Ich empfehle dringend, nicht allein zum Casting zu gehen, sondern die Mutter, große Schwester oder Freundin mitzunehmen.

WITC: Sind Schminkkurse oder Laufstegtrainings der Karriere förderlich oder gehört das auch in den Bereich "Abzocke"?

Kelly: Wie man’s nimmt – es gibt Modelschulen, die mehr als 1.000 Euro für eine solche Ausbildung verlangen. Einen Modeljob erhält man dadurch jedoch nicht. Nachwuchsmodels lernen oft "on the job" also bei der Arbeit. Eine Modelschule kann trotzdem sinnvoll sein. Wir arbeiten z.B. mit der Bochumer Modelschule "Smile Alchemy" zusammen. Branchen-Neulinge haben oft noch große Unsicherheiten, wie sie sich geben und bewegen, wie sie eine Zweier-, Dreier- oder Viererformation laufen müssen. Und auch für das zum Job passende Make-up fehlt meist die Erfahrung. Hier lohnt es sich, ein Training oder einen Workshop bei unserem Partner "Smile Alchemy" zu buchen, um diese Basics zu erlernen. Die Investition dafür liegt bei unter 100 Euro.

Man kann bei Modenschauen sehr genau sehen, welche Models neu und welche schon routiniert sind. Je professioneller der Auftritt des Models ist, desto größer ist die Chance, dass der Kunde das Model auch ein zweites Mal bucht. Deshalb kann ein Training hier sehr hilfreich sein.

WITC: An wen werden die Models vermittelt und welche Provisionen fallen an?

Kelly: Vermittelt werden die Models z.B. an Werbeagenturen, Kaufhäuser oder Modelabels. Branchenüblich sind bis zu 25 Prozent des Model-Honorars inklusive MwSt. wird von seriösen Agenturen für die Vermittlung berechnet. Unseriöse Agenturen verlangen 40 Prozent und mehr.

WITC: Frau Kelly, vielen Dank für das Gespräch.

Ausgabe 07 - 2010 

 

 

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