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Sexuelle Unlust ist therapierbar

Über die Lust des Wollens und des Nicht-Wollens

Wenn sich ein Partner innerhalb einer Beziehung vernachlässigt fühlt, weil es im Bett nicht mehr so läuft wie früher, ist Expertenrat dringend angesagt. Denn die damit verbundenen Missverständnisse können von den beiden Betroffenen meist kaum in Selbsttherapie gelöst werden. "Prinzipiell ist es egal, ob es der Vernachlässigte der Mann oder die Frau ist", meint der Sexualmediziner Georg Pfau (http://www.sexualmedizin-linz.at).

Das Vernachlässigen habe auch immer eine emotionale Komponente, so der Mediziner. Denn dies führe zu Selbstzweifel und quälenden Fragen wie "Bin ich nicht mehr schön genug", "Werde ich nicht mehr geliebt" oder "Ist etwa gar schon ein anderer Partner im Spiel", so Pfau. "Dies sind die stereotypen Erklärungsversuche von Männern und Frauen, die meinen, sie bekämen zu wenig Sex." Man fühlt sich nicht mehr geliebt, und das lasse die Alarmglocken schrillen.

Unzufriedenheit in Beziehung macht unglücklich

"Unzufriedenheit beim Sex führt immer zu Unzufriedenheit in der Beziehung", erklärt Pfau. Dabei gehe es nicht zu sehr um die Frage nach den Orgasmen, sondern primär danach, vom anderen nicht mehr als Sexualpartner wahrgenommen zu werden. Die Ermahnung des Partners zu mehr oder besserem Sex bewirke in den meisten Fällen Unsicherheit sowie Rückzug und sei daher kontraproduktiv.

"Es ist wichtig, das Problem ernst zu nehmen", so Pfau. Es gehe nicht darum, einen Schuldigen zu finden, denn Sex ist keine Bringpflicht. "Es ist notwendig, eine Lösung zu finden, mit der beide leben können. "Waren es früher häufig die Männer, die von ihrer Partnerin nicht mehr die erwartbare Zuwendung bekamen, sind es heute mindestens 33 Prozent Frauen, die sich von ihren Partnern sexuell vernachlässigt fühlen", erklärt Pfau.

Drei Hauptursachen

Die häufigste Ursache für die Unzufriedenheit liegt nach Meinung des Experten in der Psychosomatik. "Einflüsse aus der Zeit vor der Pubertät kommen aus dem Elternhaus, der Schule oder von anderen Bezugspersonen." Hier stelle sich etwa die Frage, wie Sexualität gelernt und welche Einstellung zur Sexualität vermittelt wurde. "Das Vermeidungsverhalten von Männern mit Versagensangst ist auch ein weiteres häufiges Thema aus der Psychologie, das meist mühsam exploriert werden muss", erläutert der Mediziner. "Wie jeder weiß, sind Männer kaum bereit, über ihre Defizite freimütig zu reden."

"Beziehungserfahrungen aus früheren oder der aktuellen Beziehung beeinflussen als soziosexuelle Faktoren die Sexualität eines Pärchens." Hier stelle sich die Frage, ob es Reibungspunkte innerhalb der Beziehung gibt, ob die Schwiegermutter ein zu großes Wort mitzureden hat oder es andere ungelöste Probleme gibt. "Vor allem Frauen neigen dazu, Partnerschaftsprobleme auch über Sexualität auszutragen. Der Partner wird dann mit sexueller Verweigerung für sein Fehlverhalten bestraft", so Pfau.

"Natürlich gibt es auch biologische Ursachen für die Verweigerung der Sexualität", so Pfau. Bei Männern komme primär Testosteronmangel in Frage, der alterungsbedingt jeden Mann mehr oder weniger stark betrifft. "Experten meinen, dass bereits 50 Prozent der 50-jährigen Männer über ein behandlungsbedürftiges Testosterondefizit verfügen." Bei den Frauen könne hormonelle Verhütung als Lustkiller fungieren.

Genaues Abklären des Problems

"Die Vorgangsweise ist standardisiert. Die Sexualmedizin lebt primär von einer genauen Exploration der Sexualität innerhalb einer Paarbeziehung", führt der Mediziner aus. "Weil Sex nur paarweise funktioniert, sind auch beide Partner für eine Therapie vonnöten." Sexualtherapie sei erfolgreich, wenn sich beide Partner darauf einlassen und für sich den richtigen Therapeuten finden.

Die Bedeutung von Beziehung für das Lebensglück und die Bedeutung von Sexualität für das Beziehungsglück könne gar nicht hoch genug eingeschätzt werden. "Wenn man der Meinung ist, dass die Beziehung einen nicht mehr glücklich macht, sollte man tätig werden, bevor es zu spät ist", meint der Experte abschließend.

Foto: Dr. Georg Pfau ist Sexualmediziner in Linz (Foto: privat)

Ausgabe 07-2010

 

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