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Sehnsucht setzt Segel im Ebertbad

 

Mit der dritten Eigenproduktion "Sehnsucht" will das Ebertbad Oberhausen an die Erfolge der ersten beiden Produktionen anknüpfen. Ein spannendes Thema und eine erstklassige Besetzung unter der Leitung von Gerburg Jahnke versprechen schon jetzt ein ausverkauftes Haus.

"Letztes Jahr habe ich wieder versucht, mir das Rauchen abzugewöhnen", verrät Gerburg Jahnke, Kabarettistin, Regisseurin und "Ex-Missfits" bei der Pressekonferenz Anfang März, um zu erklären, wie es überhaupt zu der Idee kam. Nach intensiven Gesprächen mit Suchtexperten wurde ihr klar: Sucht hat etwas mit Sehnsucht zu tun. "Welche Sehnsüchte verbergen sich hinter dem Menschen, dass er so mit Süchten zu kämpfen hat?", fragte sie sich. Bis die Idee von "Sehnsucht" genauere Formen annahm, tauchten viele Fragen auf, wie "ist Sehnsucht etwas Frauenspezifisches?", "welche Sehnsüchte gibt es und verändern sich Sehnsüchte mit dem Alter?" Inspiriert und getrieben von der Idee befragte sie

die unterschiedlichsten Menschen zu ihren Sehnsüchten. Und erhielt sehr banale Antworten wie: "glücklich sein!". "Eigentlich läuft es immer auf Liebe hinaus und in dem Stück umkreisen wir dieses Gefühl", so Jahnke.

Frauenarzt und Caprifischer

"Ich möchte ein Stück zum Thema "Sehnsucht" machen", viel mehr brauchte Gerburg Jahnke

der Musikerin und Kabarettistin mit Espresso im Blut, Carmela De Feo, nicht zu erklären. Sie sagte sofort zu. "An Frau Überall baggere ich schon seit Jahren. Mit "Sehnsucht" hab’ ich sie endlich gekriegt", freut sich die Regisseurin. Dritte(r) im Bunde ist Nito Torres, der einen weiblichen Teenager verkörpern wird. "Ich bin der Überzeugung, dass sich in ihm ein 17-jähriges Mädchen verbirgt, gibt Jahnke halb ernst, halb amüsiert zu Protokoll. Jahnke schätzt an ihm die schauspielerische Disziplin und seine sehr eigene Sicht der Dinge. Für das Pressefoto wurden ihm die Augenbrauen gezupft. Die Vierte des musikalisch-komödiantischen Quartetts, Constanze Jung, lernte Frau Jahnke auf einer Aida-Kreuzfahrt kennen: "Sie rockte das Publikum und ich war begeistert – optisch und gesangsmäßig eine scharfe Ergänzung". An der Ostsee trafen sich alle Beteiligten zu ersten Improvisationen und es stand gleich fest, dass "Sehnsucht" kein Theaterstück wird. "Der erste Teil des Stücks soll beim Frauenarzt spielen, im zweiten Teil wollen wir die Frauen auf eine Reise in Richtung ihrer Sehnsucht schicken", spinnt Jahnke den Faden weiter. "Natürlich kommen die Frauen nicht an. Sehnsucht ist eine positive Lebenskraft, die einen in Richtung seiner Träume arbeiten lässt. Dazu muss man diese aber erst kennen", führt die Regisseurin weiter aus. Dass die "Damen" bei den dreitägigen Proben viel Spaß hatten, braucht man – bei der Zusammensetzung – wohl nicht weiter erwähnen. Die große Überraschung in der Besetzung: Stephanie Überall, die zweite "Ex" des erfolgreichen Missfits–Duos. "Ich finde es toll, dass sie das "Privatisieren" aufgegeben hat und nun wieder auf der Bühne steht", so Jahnke begeistert. In "Sehnsucht" spielt sie Frau Zänker und der Name scheint Programm zu sein. Frau Zänker geht auf die Sechzig zu, ist sehr schlecht drauf und unzufrieden. Sie muss ihre Sehnsucht noch entdecken. Eine Sehnsucht in Richtung Lebensende? "Ihren Mitmenschen gegenüber ist sie unfreundlich, aber ich glaube, sie wird ihre Sehnsucht noch entdecken", ist Stephanie Überall von Ihrer Figur überzeugt. Die vier DarstellerInnen entwickeln selbst die Figuren, die sie auf der Bühne verkörpern. So erfahren die Sehnsüchte auch kleine Veränderungen während der Proben und im Kontext des Stückes, welches nicht allein von der Sprache leben wird. "Sehnsucht" wird auch musikalisch aufgegriffen. "Sehnsucht – wenn es nicht Liebe ist, ist es Fernweh", sagt Frau Jahnke nachdenklich. So hat das Ensemble auch "Wasserlieder" ausgesucht. Die Caprifischer. Natürlich. "Ich hatte dabei Pipi in den Augen", gesteht Jahnke. "Aber das Publikum wird nicht auf "Sehnsuchtsglibber" ausrutschen", verspricht sie.

Haben Männer Sehnsüchte?

Ein musikalisches Leitmotiv gibt es nicht, denn es geht um vier Personen mit unterschiedlichen Sehnsüchten. "Die Musik - es wird mit Playback gearbeitet - muss auf jede einzelne Figur zugeschnitten sein", erklärt der musikalische Leiter Many Miketta.

Die 17-jährige Chayenne (Nito Torres) etwa bringt in das Stück ganz andere Dimensionen ein. Den anderen Frauen fällt es schwer, ihre naiven Vorstellungen ernst zu nehmen. Vier Frauen - vier Altersstufen: was ist mit ihren Träumen passiert, wo wollten sie hin? Was ist aus ihren Träumen geworden? Auf die Frage, ob die Frauen Singles seien, verrät Miketta nur, dass jede auch einen Partner habe. Worauf jemand die Frage stellt, ob auch Männer Sehnsüchte und Träume haben. "Der Mann ohne Frau ist wie ein ausgetrockneter Swimmingpool – das habe ich neulich gelernt" wirft Frau Jahnke ein. Es bleibt der Interpretation des Einzelnen überlassen, ob sich die Sehnsüchte und Träume der Männer – wenn sie denn welche haben – einzig und allein im Weibe manifestieren.

"Ich hoffe, die Leute gehen mit dem Gefühl nach Hause, sich sehr gut amüsiert, aber auch diesen angenehmen Schmerz gespürt zu haben", so Frau Jahnke abschließend. Mit diesem Thema, der tollen Besetzung und Frau Jahnke als Regisseurin sollte das dieser (fast) reinen Frauenproduktion gelingen. Auf jeden Fall dürfen wir gespannt sein, auf ein außergewöhnliches, kurzweiliges, amüsantes und vielleicht auch nachdenklich machendes Stück im Oberhausener Ebertbad. Für Tränen aller Art: Tempotücher nicht vergessen!

Vier Frauen zwischen 17 und 57, von denen eine ein Mann ist.

Nito Torres – bekannt als schwuler Stripper und Cowboy – spielt die 17jährige Chayenne. Sie ist Auszubildende beim Frauenarzt; der Ort, an dem Frauen aus sehr unterschiedlichen Gründen zusammenkommen. Eine – mitteljung – weiß nicht, ob sie das Kind – entstanden bei einem Abschiedsverkehr – wirklich bekommen soll: Carmela De Feo sehr anders, aber immer noch mit einem Hang nach Italien. Eine andere – auf der falschen Seite der 40 - ist da zu Restaurationszwecken und weil sie in die finale Verhütungskurve eintritt: Constanze Jung mit brachialer Stimmgewalt und badischer Herkunft spielt die Buisiness-Lady. Und dann ist da noch die Älteste. Vom Leben nicht sehr sanft behandelt und deshalb mit einer unfreundlichen Strenge ausgerüstet sowie mit Rucksack und praktischem Schuhwerk: Frau Zänker kommt zur alljährlichen Unten-rum-Inspektion! Endlich wieder auf der Bühne: Stephanie Überall.

Für die vier Damen (und das Publikum) wird dieser Abend zu einer Reise in das Reich der Sehnsüchte. Die eine sucht die Liebe, die andere flieht vor ihr. Die Dritte will eigentlich nur einen Drink am Pool! Und unser Chayenne will Frauen helfen, egal wo, Hauptsache woanders. Aber: Fernweh oder Heimweh, tut beides gleich weh. Und das Ganze mit sehr vielen, sehr schönen Liedern!

Premiere: 3. September 2010 um 20 Uhr, Ebertbad Oberhausen, weitere Spieltermine:

4. bis 25. September und 1. bis 23. Dezember 2010 (Do-So). www.ebertbad.de

 

Video - Das Gesicht 2010

Video - Das Gesicht 2009