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Was kann Botox™ wirklich? – Ein Update

Ob Beseitigung des Schwitzens, Begleittherapie bei Haarausfall oder gegen Kopfschmerzen, Mittel gegen Zähneknirschen oder Überbiss – Botulinum ist mehr als nur der „Falten-weg“-Wirkstoff.

Botox™ wird seit über zwei Jahrzehnten in der Medizin eingesetzt. Ursprünglich als medizinisches Medikament bei diversen Muskelerkrankungen wie z.B. dem sog. "Schiefhals" (Kinderheilkunde) oder Schielen der Augen erfolgreich eingesetzt, erweiterte sich das Einsatzgebiet über die Jahrzehnte auf die Behandlung vieler Erkrankungen in den unterschiedlichsten Fachdisziplinen wie z.B. in der Urologie.

Was Botox™ ganz sicher nicht kann, ist die Lippe „aufspritzen“, so Dr. Schugt, Experte auf dem Gebiet Botulinum und seit Jahren erfahrener Anwender in der Bochumer Innenstadt. Botulinum vermindert die Nervenimpulse, die die Muskulatur oder Schweiß- und Talgdrüsen überregen. Mit einem „Aufspritzen“, welches ohnehin sehr kritisch gesehen werden sollte, hat das weder etwas zu tun, noch kann Botulinum das.“

In der Hautfachkunde hat Botulinum mittlerweile seinen festen Platz: Von medizinischen Fragestellungen wie krankhaftem Schwitzen oder chronischen Kopfschmerzen (Spannungskopfschmerz) angefangen, bis hin zu den langläufig bekannteren Indikationen wie denFaltenbehandlungen.

Der Wirkstoff verhindert, dass der Botenstoff Acetylcholin aus den Nervenfasern freigesetzt wird und die Muskulatur oder andere von Nervenimpulsen abhängige Strukturen (z.B. Schweißdrüsen) erregt. Bereits seit 2006 ist Botulinum zur Behandlung des übermäßigen Schwitzens (medizin. Hyperhidrose) mit Erfolg zugelassen. Wird es in die Haut injiziert, so gelangt die Substanz zu den Schweißdrüsen: diese werden somit "ruhiggestellt". „Andere Nervenfunktionen - wie z.B. Fühlen, Tasten, Temperaturempfinden - sind dadurch nicht beeinflusst.“ berichtet der Hautarzt. Es reicht eine einmalige

Anwendung, der Effekt hält sich dann einen Sommer lang. Die Schweißbildung setzt danach langsam wieder ein. Da viele Patienten v.a. im Sommer ihre Probleme haben, lässt sich so ein Jahr problemlos „überbrücken". Die Behandlung kann bei Verträglichkeit beliebig oft wiederholt werden, ein Gewöhnungseffekt setzt nicht ein. Im Gegenteil: Bei Wiederholung der Behandlung hält die Wirkung oft immer länger an.

Lasse ich mir eigentlich „Gift“ spritzen?“ -

Diese gern gestellte Frage ist leicht zu beantworten:

jein. Botulinum ist genauso viel oder wenig „Gift“ wie Aspirin™ oder Alkohol. Erst die korrekte, auf das Krankheitsbild abgestimmte Dosierung der Substanz bewirkt seine ideale Wirkung“, erklärt Dr. Schugt. „So arbeitet auch die Homöopathie mit Wirkstoffen aus der Natur, die in Ihrer Reinform für den Menschen problematisch sein können, wohldosiert aber heilsam wirken.“, so der Hautarzt. Eines der neueren Einsatzgebiete ist die Therapie von Haarausfall mit Botulinum, genauer gesagt die Behandlung der sog. Alopecia contentionalis. Hinter dem Fachausdruck verbirgt sich eine sehr weit verbreitete Form des Haarverlustes: Der Spannungshaarausfall. Dauerverspannungen der Kopfhautmuskulatur v.a. in Stressphasen stellen nach neuen wissenschaftlichen Überlegungen einen krankheitsauslösenden Mechanismus dar: Durch die Verkrampfungen der flachen Kopfhautmuskulatur werden Blut-, Sauerstoff- und damit Nährstoffversorgung hin zur Haarwurzelzelle so stark reduziert, dass normale biologische Abläufe nicht mehr ideal von Statten gehen können. Die Folge: Das Haar dünnt aus. Eine an der Ursache ansetzende Therapie stellt die Behandlung mit Botulinumprotein-Injektionen dar. Im Sinne einer flächenhaften Therapie wird an mehreren, über die Kopfhaut verteilten, Punkten die Substanz sanft an die Kopfhautmuskulatur injiziert. Die zuvor verkrampften Hautmuskelfasern sowie die Unterhautmuskulatur entspannen sich. Dies konnte durch wissenschaftliche Untersuchungen der Kopfhautspannung nachgewiesen werden. In der Folge bewirkt die verbesserte Blutzirkulation, dass Sauer- und Nährstoffversorgung wieder auf ein optimales Maß angehoben werden: das Haar wird wieder versorgt und beginnt zu wachsen. Auch bessern sich im Rahmen der Behandlung sehr häufig Missempfindungen wie Kopfhautschmerzen oder –ziehen (sog. Trichodynie) ganz erheblich. Sind andere mögliche Ursachen für das „Kopfhautziehen“ diagnostisch ausgeschlossen, so stellt die Therapie daher auch bei isoliertem Kopfhautschmerz eine interessante Möglichkeit zur Abhilfe dar. Eine Therapie an der Ursache.

Eines der neuesten Einsatzgebiete von Botulinumprotein zeigt sich bei der Behandlung von überfettender Haut sowie beim Krankheitsbild der (Erwachsenen-)Akne. Was zunächst futuristisch klingt, hat dabei eine fundierte Basis:Akne ist eine Erkrankung der Talgdrüsen. Diese produzieren pathologisch verstärkt Talg (medizinisch „Seborrhoe“), in welchem sich Bakterien vermehren – es kommt zur Entzündung und damit zur Aknepustel – der „Pickel blüht“. Bei einigen Menschen bleibt es beim ohnehin schon unangenehmen Fettglanz der Haut, meist der Stirn, bei anderen entstehen besagte Entzündungsknötchen. Bisher ist die Behandlung mit innerlichen, aber nebenwirkungsreichen Präparaten(sog. Retinoide) die gängigste Maßnahme bei schwerer Akne und damit einhergehender übermäßiger Fettproduktion.

Ähnlich effektiv, aber besser tolerabel sind nach Einschätzung von Dermatologen der New York University School of Medicine Injektionen von Botulinumprotein an den betroffenen Hautarealen. Die US-Ärzte haben die neue Methode in einer offenen Studie bei Patienten mit fettender Haut im Stirnbereich eingesetzt. Alle Patienten erhielten einmalig eine entsprechende Menge Botulinum, verteilt auf mehrere Injektionsstellen in der Stirn. Die Talgproduktion vor und nach der Behandlung wurde mit einem speziellen Messgerät, dem sog. Sebometer sowie anhand von Fotografien und einer Patientenzufriedenheits-Skala objektiv beurteilt. Das Ergebnis: Zu allen Zeitpunkten nach der Injektion waren die Talgdrüsen weniger aktiv als zuvor. Bei fast allen Patienten wurde eine mindestens 50% Abnahme des Sebums, wie der Hauttalg medizinisch genannt wird, gemessen. „Intradermal injiziertes Botulinum kann eine wirksame Behandlung für fettige Haut darstellen und möglicherweise auch bei vergrößerten Poren helfen", lautet das Fazit der Studienautoren um Dr. Amy E. Rose. Angenehmer Nebeneffekt: Meist glätten sich unter der Behandlung auch die Stirnfältchen. Eine übermäßige Schweißproduktion der Stirnpartie, gerade im Sommer für viele störend, wird ebenfalls vermindert. Die Therapie ist für Erwachsene ab dem 18. Lebensjahr geeignet. „Natürlich bleibt Botulinum in der Therapie kleiner und großer Falten der „Dauerbrenner“, so Dr. Schugt resümierend. - Die Haupteinsatzgebiete ergeben sich insbesondere im oberen Gesichtsdrittel. „Vor allem Zornesfalte, Stirnquerfalten und die Knitterfältchen rund um die Augen sprechen ganz hervorragend auf das Botulinum an. Die Patienten sind oft regelrecht verblüfft, wie schnell sich die Falten zurückbilden.“ berichtet der Hautarzt.

Dabei kann Botulinum auch hier deutlich mehr. Beispiel Überbiss: Das oft diffamierend alsPferdelächeln“ bezeichnete deutliche Anheben der Oberlippe kann sehr effektiv mit einer kleinen Menge Botulinum verbessert oder sogar gänzlich behoben werden. „Für die Betroffenen ist das eine regelrechte Erlösung.“, berichtet Dr. Schugt. Die Kosten für eine solche Behandlung belaufen sich auf ca. 100.-Euro. Eine „Mund-nahe“ und nur Wenigen bekannte weitere Behandlungsmöglichkeit ist die Therapie des Zähneknirschens. Diese durch unwillkürliche Muskelverspannungen der Kaumuskulatur ausgelösten, oft schmerzhaften Verkrampfungen können mit dem Wirkstoff hervorragend gebessert, oft auch gänzlich behoben werden. Sowohl die Behandlung des Überbisses als auch die Injektionen beim Zähneknirschen werden dabei nicht vom Zahnarzt durchgeführt. „Dies liegt an den gesetzlichen Rahmenbedingungen. Diese definieren, dass der Zahnarzt als Spezialist für die Mundhöhle nicht außerhalb dieser therapieren darf. Die Injektionen für beide Erkrankungen werden aber „von außen“ gesetzt“, erklärt der Mediziner.

Botulinum ist kein Allheilmittel, es stellt aber eine therapiebereichernde Option für eine Vielzahl oft belastender Erkrankungen dar. Es ist mehr als nur der aus dem TV bekannte „Falten-weg-Wirkstoff“. Die Anwendung sollte selbstverständlich Immer in den Händen eines in der Behandlung erfahrenen Therapeuten liegen.

 

Ausgabe 09/10. 2013

 

Video - Das Gesicht 2010

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