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Brecht hat Recht !

Einige von Ihnen werden sich noch erinnern: 1994 hatte der frühere Bank-Chef Hilmar Kopper nach der betrügerischen Milliarden-Pleite des Baulöwen Jürgen Schneider offene Handwerker-Rechnungen in Höhe von rund 50 Millionen Mark als "Peanuts" abgetan. Diese Äußerung offenbarte erstmals öffentlich die Bankenstrategie, wie Katastrophen bagatellisiert werden und führte damals zu einem Entrüstungsturm in der Bevölkerung.

Heute wissen wir, das diese Einschätzung Koppers zutreffend war, denn vor wenigen Wochen hat die staatliche Bank KfW dem insolventen Institut Lehman Brothers noch mal eben 300 Millionen überwiesen, die dann sofort in die Konkursmasse eingingen. Eine fehlerhaft ausgelöste Zahlung – so die Erklärung der KfW.

300 Millionen sind ja schon ein ordentlicher Betrag, waren aber – wie wir heute wissen – auch irgendwie nur Peanuts im Vergleich zum Rettungspaket der Bundesregierung für die Finanzwirtschaft, das irgendwo zwischen 400 und 500 Millarden Euro liegt. Das sind richtige Beträge! Nun sind zu diesem Sachverhalt schon tausenden von Seiten geschrieben worden und das Thema hält uns weiter in Atem, denn die Krise erfaßt jetzt auch die sogenannte reale Wirtschaft. Es hört sich an wie blanker Hohn, dass die Finanzwirtschaft (also der Logik nach eine irreale Wirtschaft) die Welt an den Rand des Abgrundes gebracht hat und mit Milliarden gerettet werden muss und die reale, produzierende Wirtschaft dies durch Stellenabbau und Lohnverzicht wird ausbaden müssen.

Inzwischen ist der erste Schock bei den Brandstiftern in den Chefetagen der Banken gewichen und dort will man nun für Vertrauen werben. Wie bitte? Das Finanzsystem bricht fast zusammen, weil die Banken untereinander kein Vertrauen mehr haben, sich gegenseitig Geld zu leihen und der Normalbürger soll wieder Vertrauen in die Banken fassen? Eigentlich sollten wir jetzt jeden morgen zur Bank unserer Vertrauens gehen und uns dort unser Geld zeigen lassen, um sicher zu gehen, dass es auch wirklich noch da ist. Wenn selbst die Bundesregierung das Geld zur Sicherung nur herausgibt, wenn im Gegenzug (Mit-)Kontrolle über die Bankgeschäfte des Empfängers eingeräumt werden, warum sollten wir dann mit blindem Vertrauen diesem Zockern die Absolution erteilen?

Wie sehr die Herren des großen Geldes ihre Bodenhaftung verloren haben, bewies erneut der Chef der Deutschen Bank Josef Ackermann. Er kündigte an, auf seinen Bonus für das Jahr 2008 zugunsten verdienter Mitarbeiter verzichten zu wollen. Schon die Vorstellung, dass für das Jahr 2008 irgendwer aus der Finanzbranche einen Erfolgsbonus kassieren wird, ist einfach nur gruselig. Aber dass die Realität schlimmer ist als jeder Horrorfilm, wird durch die Tatsache deutlich, dass die Wall-Street-Banken in diesem Krisenjahr 2008 über 70 Milliarden Euro leistungsbezogene Vergütung an ihre Mitarbeiter ausgezahlt haben (Handelsblatt vom 20.20.08)

Der Dramatiker und Lyriker Berthold Brecht läßt in der "Dreigroschenoper" den zwielichtigen Mackie Messer fragen: Was ist der Einbruch in eine Bank gegen die Gründung einer solchen? Wir wissen nun die Antwort: Peanuts.

Ausgabe 11. 2008

 

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