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Alphabetisierung und FolksFerdummung

Auf den ersten Blick ist diese Meldung nicht spektakulär: der Bundesverband Alphabetisierung gründet eine Stiftung. Na ja, denkt man sich, ist doch schön und wichtig, dass die Menschen in armen Ländern mal richtig schreiben und lesen lernen. Falsch gedacht. Die neu gegründete "Alfastiftung" soll sich um die rund die rund vier Millionen Menschen kümmern, die als funktionale Analphabeten gelten – in Deutschland!

Diese Menschen können zwar noch ihren Namen schreiben, lesen aber nur auf dem Niveau von Erst- oder Zweitklässlern und sind mit ihren geringen Lese- und Schreibfähigkeiten den Anforderungen im privaten Alltag kaum gewachsen. Von Chancen in der Berufswelt kann man da schon gar nicht mehr reden. Und jährlich kommen rund 75.000 Jugendliche dazu, die keinen Hauptschulabschluss schaffen. Eine ernüchternde Feststellung im Land der Dichter und Denker.

Der Verlust oder zumindest die Einschränkung grundlegender Fähigkeiten wie Lesen, Schreiben und Rechnen ist aber auch in anderen Bereichen der Bevölkerung auszumachen. Heute braucht man nicht unbedingt ein Buch zu lesen, einen Aufsatz zu schreiben oder den Satz des Pythagoras zu kennen. Man googelt sein Wissen herbei und im Allgemeinen kommt man damit auch über die Runden. Mit etwas Glück sogar zum akademischen Grad. Das sollte uns aber nicht wirklich wundern, denn inzwischen ist die Verwirrung über die richtige Rechtschreibung überall festzustellen. Gehen wir einfach mal zur Eingangsmeldung zurück: "Bundesverband Alphabetisierung gründet Alfastifung". Na, was denn nun, Alfa oder Alpha? Ganz wild wird es aber, wenn wir aufmerksam die grossen Werbekampagnen der Markenartikler in unserem Land beobachten. Die Wortschöpfung "unkaputtbar", die Cola-Cola zur Einführung der PET-Flasche erfunden hat, ist ja noch lustig. Selbst wer nicht wußte, dass von Adjektiven keine Ableitungen mit –bar gebildet werden können, erkannte diesen Regelverstoß als Werbegag. Heftiger trieb es die Biermarke Veltins, die gleich ein ganzes Rudel dämlicher Wortschöpfungen auf die Verbraucher losließ. Große Plakate mit den Schlagworten "Veierabend", "Vahrgemeinschaft" oder "AusVlug" sollten den Bierumsatz ankurbeln. Ganz doll und elitär kommt aktuell Citroen daher: der Slogan "Liberte´ - Egalite´ - Strassenlage´" richtet sich offensichtlich an die intellektuelle Käuferschicht, die das wohl auch noch witzig finden soll.

Millionen werden da ´rausgehauen und tragen auch irgendwie etwas zur Volksverdummung bei. Wünschenswert wäre es, wenn die Verbraucher dies erkennen und solche Kampagnen als Flopp in die jeweilige Firmengeschichte eingehen würden. Bleibt noch anzumerken, dass die Alfastiftung ihr Ziel für das nächste Jahr genannt hat: sie wünscht sich vier Millionen Euro Stiftungskapital – einen Euro für jeden funktionalen Analphabeten.

Ausgabe 10. 2008 

 

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