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Die Spiele sind vorbei – was bleibt?

Was gab es im Vorfeld der Olympischen Spiele für angeregte Diskussionen: Boykott der Eröffnungsfeier, "Free-Tibet"-Aktionen, Sportler-Proteste etc. Und überhaupt die Frage: War es richtig, Peking die Spiele austragen zu lassen? Dieses angeblich "unpolitische" Grossereignis hat immer etwas mit Sport zu tun, wenig mit Moral, dafür aber immer ganz viel mit Propaganda.

 

Schon im letzten Jahrtausend haben politische Gruppen und clevere Ausrichter es verstanden, die Spiele für ihre Zwecke politisch zu nutzen (z.B. München, Moskau, Los Angeles). Und wieder gibt es nach dem sportlichen Finale politische Gewinner und Verlierer. China hat die staatliche Internetkontrolle weltweit hoffähig gemacht und die Tibetfrage erfolgreich aus der öffentlichen Wahrnehmung verdrängt. Russland hat gezeigt, dass sie sportlich nicht mehr ganz vorne, aber dafür militärisch voll auf der Höhe sind. Verlierer dieser Spiele sind Tibet, Georgien und der Rest der Welt.

Auch der Sport hat Federn lassen müssen. Jamaika hat die USA in den Sprintdisziplinen verdrängt, die ihrerseits dafür einen neuen Schwimmkönig präsentieren durften. Und China hat - wie erwartet - eine Medaille nach der anderen abgeräumt. Offensichtlich war die Welt bei diesen Spielen Zeuge einer sport-medizinischen Leistungsshow, die nebenbei auch gezeigt hat, dass die Dopingkontrolleure den Wettlauf längst um Jahre verloren haben. Nur noch Dummies und richtige Amateure lassen sich überführen.

In vielen Disziplinen haben wir es mittlerweile mit Model-Athleten zu tun, die ganzheitliche Körperentwicklung betreiben und deren Körperbau nicht unbedingt mehr Rückschlüsse auf ihre Sportart zulässt. Erkannte man früher auf den ersten Blick die schwergewichtigen Kugelstosser- und Diskusswerferinnen (Arme wie Keulen, Beine wie Säulen) und die ausgemergelten Sportlerinnen in den Ausdauerdisziplinen, so sind die modernen, gutaussehenden und erfolgreichen Athletinnen perfekt durchtrainiert. Die Frage nach dem Beitrag der medizinischen Abteilung wird zwar kurz erwähnt, verblasst aber im Glanz der Siegerehrung auf dem Treppchen.

Aus deutscher Sicht gab es Licht, aber auch Schatten. Insgesamt war es eine recht ordentliche Leistung. Insbesondere Britta Steffen (Gold im 50m und 100m Freistil) und Lena Schöneborns Sieg im modernen Fünfkampf müssen besonders erwähnt werden. Und was ist bloß mit den Männern los? Der einst berühmte "deutsche Achter" ist endgültig untergegangen, keine Chancen mehr in den klassischen Leichtathletikdisziplinen, aber dafür Silber im Synchronspringen vom Turm (!). Oh, Mann.

Ausgabe September 2008, Seite 42 

 

JT

 

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