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Die Superweiber

Sie klettern die Stufen der Karriereleiter scheinbar mühelos empor, profilieren sich im Beruf und als mehrfache Mutter, engagieren sich für Projekte und sehen dabei auch noch gut aus. Die von der Leyens, Jolies und Klums dieser Welt.

Frauen, denen einfach alles gelingt. Das ist doch irgendwie widerlich. Nehmen wir etwa Ursula von der Leyen. Können Sie sich an den Namen von einer Familienministerin vor der Ära Leyen erinnern? Nein? Ich auch nicht. Vielleicht liegt es ja an den bahnbrechenden Veränderungen in der Familienpolitik, wie das von ihr eingeführte Elterngeld. Oder an der WDR 2 Persiflage "Die von der Leyens", in der das Familienglück ordentlich durch den Kakao gejagt wird? Eine echte Ausnahmefrau, ein Superweib, wie es im Buche steht, mit einem perfekt durchgestylten Leben und ohne Skandale – schon fast beängstigend für ganz normale Frauen. Selbstverständlich wollte von der Leyen auf ihrer politischen Karriereleiter nicht stehen bleiben. Die siebenfache Mutter fühlte sich zu Höherem berufen. Und sie hatte Glück. Durch den Rücktritt des amtierenden Arbeitsministers Jung wurde dieses Amt frei.

Vielleicht ist sie ja als neue Arbeitsministerin endlich ausgelastet? Eine Karrierefrau ohne Ecken und Kanten. Schrecklich. Wieso läuft unser Leben nicht so glatt? Sind wir zu blöde, zu hässlich oder haben wir einfach nur Pech? Was hat so eine Überfrau, was wir nicht haben? Dabei würde uns so ein kleiner Skandal doch wirklich helfen: "Erwischt: Ursula von der Leyen nackt im Pool mit Tennislehrer" oder "Scheidung? Von der Leyens Ehemann liebt eine Jüngere!" Die Klassiker. Oder: "Von der Leyens Sohn mit 8 noch nicht reif für die Einschulung. Ist das Kind zurückgeblieben"? Das wären doch mal Schlagzeilen! Die perfekte Fassade würde einstürzen wie ein Kartenhaus, die Superweib Statue würde vom Sockel fallen, direkt auf den Boden des ganz normalen Frauseins. Wie menschlich! Wie sympathisch! Wir würden mit ihr fühlen, mit ihr bangen, leiden und hoffen. Aber nix. Da fragt man sich doch schon, ob von der Leyen auch mal aufs Klo muss – ganz so wie wir? Oder Angelina Jolie – auch privat irgendwie als Superweib "Lara Croft" unterwegs. Schnappt sich den smarten Brad Pitt und macht weiterhin in Karriere und vor allem auch in Familie. Die neue Mutter Theresa adoptiert arme kleine Kinder und rettet die Welt – unterstützt und getragen von ihrem Partner. Brad Pitt wird ja als Mann der neuen Generation gehandelt – mit typisch femininen Eigenschaften, wie Einfühlungsvermögen, Kinderliebe und so. So viel Glück ist doch gar nicht zu ertragen. Auch Heidi Klum ist so ein Superweib. Das deutsche Vorzeige-Model punktet in ihrer Doppelrolle als Mutter und Karrierefrau. Schon kurz nach der Geburt ihrer Babys sah sie so aus, als wäre sie niemals schwanger gewesen. Strahlend schön und schlank wie eh und je. Das ist doch nicht fair, denken Sie sich, denn durch die Lebensumstellung, die der neue, kleine Erdenbürger verursacht, kommen Sie gar nicht dazu, Ihre in der Schwangerschaft angesammelten Pfunde wieder loszuwerden.

Nun ja, ich muss gestehen, dass Seal nicht der Mann wäre, den ich in mein Schlafzimmer lassen würde – was mehr so an der Optik liegt. Wahrscheinlich ist das ein ganz netter Kerl, der Heidi die Klums aus der Hand frisst. Heißt, die perfekte Verbindung für eine Frau, die ihren Weg geht. Seal als Erfüllungsgehilfe der Planung von Heidi Klum. Eine berechnende Frau? Naja, vielleicht liebt sie ihn wirklich, oder deshalb, oder trotzdem. Und wir scharren mit unseren Fingernägeln und hoffen, dass sich Courtney Love und Seal begegnen – sich hoffnungslos ineinander verknallen und es einen Riesen-Skandal gibt. Heidi schmeißt Seal raus und Courtney und Heidis Ex schweben in den 7. Drogenhimmel. Ja, endlich! Aber was macht uns eigentlich so neidisch – und wenn’s dann in die Hose geht, so schadenfroh? Neidisch, weil wir glauben, was wir sehen, lesen und hören – und vielleicht gibt’s nur einen genialen PR-Manager hinter den Kulissen? Der gaukelt uns die heile Welt vor, für die wir unser rechtes Bein geben würden. Die Schadenfreude hat zwei Aspekte: Wir fühlen uns besser, weil auch Superweiber nicht davor gefeit sind, Schiffbruch zu erleiden. Und persönliche Pleiten machen auch perfekte Promis menschlicher. Sie müssen also doch auch aufs Klo wie Sie und ich. Oder Boris Becker, der gern das öffentliche Klo benutzt. ke.

Bild: www.promikatur.de

Ausgabe 0110

 

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