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Eine Revolution!?

Vor ein paar Jahren erfand die amerikanische Stylistin Rachel Zoe den "Size-Zero-Look" für Starlets wie Nicole Richie, Mischa Barton, die Olsen-Zwillinge und Keira Knightley. Durchgesetzt hat diesen Look die Chefredakteurin der amerikanischen "Vogue", Anna Wintour. Die wohl bekannteste Vertreterin dieses Looks ist Victoria Beckham. "In einem Raum voller Models war sie die Dünnste und ließ die hochgewachsene Claudia Schiffer geradezu schwanger aussehen", schrieb die britische Zeitung "Daily Mail".

Auf den internationalen Laufstegen wird seit langem über sogenannte Mager-Models diskutiert. In diversen Ländern gibt es Initiativen gegen Magersucht bei Models. Veranstalter von Modemessen sind verpflichtet, auf ein Mindestgewicht der Mädchen zu achten. Jetzt endlich scheint auch die Modepresse eine Trendwendel einzuleiten.

Ausgerechnet die britische "Vogue" hat es vorgemacht. In einem Brief an die Designer beklagte sich die Chefredakteurin des renommierten Mode-Magazins, dass die gelieferten Kleidergrößen nicht einmal bekannten Profi-Models passen würden und verzichtete auf Magermodels in ihrem Heft. Jetzt zieht die deutsche Frauenzeitschrift "Brigitte" nach. Extrem dünne Models sind künftig aus der Frauenzeitschrift verbannt, stattdessen soll die neue Mode an Frauen mit normaler Figur gezeigt werden. Es seien die Modelabels, die die Moderedaktionen unter Druck setzten, sagte Chefredakteurin Brigitte Huber. Prada, Gucci & Co. stellten für Mode-Aufnahmen immer so kleine Kleidergrößen zur Verfügung, dass den Ressortleitern meist nichts anderes übrig bleibe, als entsprechend "dürre Mädchen" zu buchen. Designer wie Kinder Aggugini aus London geben mittlerweile offen zu, dass die Laufstegmode für normalgewichtige Menschen, also für das Gros der Käuferinnen "vollständig umgeschneidert" werden müsse. Es ist ein offenes Geheimnis, dass selbst Topmodels wie Naomi Campbell oder Cindy Crawford nicht in die "normalen" Laufstegmodelle passen. Im Nachhinein würden die Fotos dann mit einem Grafikprogamm bearbeitet und die Proportionen der Mädchen künstlich dicker gemacht, das heißt konkret: die Hüfte wurde breiter, der Busen voller, die Arme wurden fleischiger. Damit soll ab 2010 nun Schluss sein. Die Leserinnen des Blatts sind aufgerufen, sich künftig für Mode- und Kosmetikfotos zu bewerben. Bei den Fotostrecken im Blatt soll es einen Wechsel zwischen prominenten und vollkommen unbekannten Personen geben.

So erfreulich diese Entwicklung auch ist, es bleiben Zweifel daran, das "Brigitte" ein Zeichen gegen den Mager-Wahn setzten will. Nach eigenen Angaben ist die durchschnittliche Leserin 48 Jahre alt und wiegt 23% mehr als die dort präsentierten Models. Leserbriefe würden zeigen, dass sie sich weniger für die normalen Modestrecken interessiere und alltagstaugliche Mode bevorzuge. Nahe liegt, das jetzt endlich auch die Chefredaktion begriffen hat, das sie jahrelang ein Schönheitsideal gepflegt und gefördert hat, das mit der Lebenswirklichkeit der durchschnittlichen Frau nichts gemein hat. Auslöser für diesen Sinneswandel ist wohl eher, dass die Verkaufszahlen in den letzten fünf Jahren um 40 Prozent schrumpften und Abonnements um 17 Prozent zurückgingen. Es liegt nahe zu vermuten, dass frau erkannt hat, dass sie ist eine weit mächtigere Institution als ist, als der diktatorische Modedesigner. Es ist an der Zeit, dass Frauen ihre Marktmacht konsequenter nutzen, denn sie sind Käuferinnen. Anstatt sich weiterhin in viel zu enge und ungünstig geschnittene Hosen, Röcke oder Pullover zu pressen, sollten sie andere Schnitte einfordern, denn die Designer leben vom Verkauf ihrer Kleider. Und erst, wenn die Umsätze nicht mehr stimmen, werden die Modehäuser bereit sein anders zu schneidern.

Ausgabe 1209

 

Video - Das Gesicht 2010

Video - Das Gesicht 2009