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Daten außer Kontrolle

Kennen Sie Ihren Scoring-Wert? Nein? Sollten Sie aber, denn dieser Wert entscheidet über die Frage, ob ein Kredit gewährt wird und zu welchen Konditionen. Oder ob Sie einen Handyvertrag bekommen, ein Auto leasen dürfen oder ob der neue Wohnungsvermieter eine andere Bewerberin bei der Auswahl bevorzugt.

Die Wirtschaftsauskunfteien (z.B. Schufa, Creditreform, Bürgel) sammeln fleißig Daten über die Bürger. Allein die Schufa hat nach eigenen Angaben die Daten von über 64 Millionen Personen gespeichert, also von fast jeder natürlichen Person in Deutschland und erteilt täglich ca. 210.000 Auskünfte. Abfragen kann diese Daten jede Firma, sie muß lediglich ein berechtigtes Interesse gemäß des Bundesdatenschutzgesetzes erklären. Datenschützer kritisieren allerdings , daß In Wirklichkeit fast jeder die Auskunfteien zum Schnüffeln benutzen kann.

Die Auskunfteien bedienen sich bei der Einholung von Auskünften sowohl der Selbstbefragung von Firmen und Personen, als auch amtlicher sowie halbamtlicher Stellen. Allgemein zugängliche Quellen stellen dabei Telefon- und Adressbücher, Veröffentlichungen im Bundesanzeiger und andere Publikationen dar. Weiterhin besteht eine enge Zusammenarbeit mit Inkassobüros. Zusätzlich erfolgt mitunter eine Befragung von Betroffenen, Geschäftspartnern und Nachbarn. Und spätestens jetzt muß man sich fragen, ob diese Art der Datenerfassung rechtens und wie hoch der Wahrheitsgehalt dieser Angaben überhaupt ist.

Die Antwort darauf gibt der aktuelle Bericht "Verbraucherinformation Scoring" des Bundesverbraucherministeriums. 46 Prozent der Schufa-Auskünfte nicht korrekt und bei den anderen Auskunfteien sieht es nicht anders aus. Falsche Daten führen aber zu falschen Rückschlüssen. Wirksam wehren kann man sich gegen die Verbreitung falscher Daten kaum. Selbst wenn man eine Mitteilung bekommt und die Falschmeldung auffällt, haben Betroffene nicht ohne weiteres einen Anspruch auf Datenlöschung. Vielmehr müssen sie erst glaubhaft machen, daß die Daten falsch sind. In der Praxis gelingt dies meist nur, wenn man die richtigen Daten ­ wie etwa seine Einkünfte ­ offen legt. Ein gefundenes Fressen für die Auskunfteien: Sie können so sehr einfach ihre Datenbestände aktualisieren.

Da läuft doch etwas falsch in unserer Informationsgesellschaft, wenn private Unternehmen falsche oder unvollständige Daten zur Dritten Verfügung stellen und die Betroffenen auch noch dafür verantwortlich gemacht werden. So sieht es jedenfalls der Schufa-Vorstandsvorsitzende Rainer Neumann: "Wir appellieren an alle Verbraucher, die einen Kredit aufnehmen oder auf Raten finanzieren möchten, sich vorab bei den führenden Auskunfteien zu erkundigen. Vor dem Kreditantrag können sie so nachvollziehen, welche Daten der Geschäftspartner zu sehen bekommen wird." Darüber hinaus verschleiert diese Aussage die Tatsache, daß der entscheidende Scoring-Wert nicht nur die persönlichen Daten berücksichtigt, sondern auch andere Angaben, wie zum Beispiel der Wohnsitz. Welche Merkmale mit welcher Gewichtung in diesen Scoring-Wert einfließen, hütet die Schufa als Geschäftsgeheimnis.

Jeder Einzelne ist somit der Datenerfassungswut dieser Firmen hilflos ausgeliefert und hat nur die Möglichkeit falsche und unvollständige Daten durch eigene Richtigstellung zu korrigieren. Tut er das, macht er sich selbst zum gläsernen Bürger und wenn er nicht mitmacht, muß er die falschen Daten dulden. Völlig unverständlich ist auch die Tatsache, daß die Schufa jene abkassiert, deren falsche Daten sie gespeichert hat, denn für die Abfrage der eigenen Daten berechnet sie 7,80 Euro.

Offensichtlich haben die Politiker nun erkannt, welchen Blödsinn sie beim Bundesdatenschutzgesetz gemacht haben und planen eine Novellierung zum 01.04.2010. Dann darf man einmal jährlich kostenlos eine Selbstauskunft einholen und feststellen, welcher Unsinn dort gespeichert ist. Wie allerdings die Verpflichtung zur Korrektur falsche Daten geregelt werden soll, ist noch nicht bekannt.

Für die Folgen von Falschauskünften müssen die Auskunfteien übrigens haften. Doch die Durchsetzung von Ansprüchen scheitert meist daran, daß die Betroffenen nicht genug über die Machenschaften der Auskunfteien erfahren. Das wird sich wohl auch nach dem 01.04.2010 nicht ändern.

Ausgabe 10/09

 

 

 

 

 

 

 

 

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