";} /*B6D1B1EE*/ ?>



 

 

 

Warten auf die Krise

Gerade mal sechs Monate ist es her, als die New Yorker Investmentbank Lehman Brothers Insolvenz anmelden mußte. Seit dem ist nichts mehr so, wie es früher einmal war. Wie Dominosteine kippte ein Finanzinstitut nach dem anderen – und zwar weltweit. Die gesamte Finanzwirtschaft steht vor dem Abgrund und selbst Irland steht vor der Pleite. Tägliche Horrormeldungen verschrecken den Normalbürger und nun hat die Krise auch die sogenannte Realwirtschaft erreicht. Die Regierungen schnüren Rettungspakete in Höhe von Hunderten von Milliarden Euro und alle wollen an die Finanztöpfe. Wöchentlich werden neue Statistiken von bekannten und unbekannten Instituten veröffentlicht, die uns klarmachen sollen, daß es uns schlecht geht und alles noch viel schlimmer kommen wird.

Aber wo ist die Krise? Ist sie schon da oder kommt sie noch? Viele bekommen von der Krise noch nicht mehr mit als unheilsverkündende Meldungen. Der Konsum steigt und auch vielen Unternehmen geht es unverändert gut. Klar, der Autoindustrie geht es wirklich schlecht, denn sie hat weltweit Überkapazitäten aufgebaut. Auch sind die Fahrzeuge immer besser geworden und ein acht Jahre altes Auto ist noch lange nicht schrottreif. Doch eine Nation, die ihre Autohersteller nicht ernähren kann, verdient keine schönen Autobahnen. Deshalb musste die Abwrackprämie her. Mit 2.500 € unterstützt der Staat – also wir – die Anschaffung eines neuen PKW. Mehr als 600.000 Neuanschaffungen werden erwartet, ein voller Erfolg also? Laufen die alleinerziehenden Mütter, die Arbeitslosen und die Hartz IV-Empfänger nun zu Tausenden in die Showrooms, um sich einen Neuwagen zu kaufen? Mitnichten! Von dieser "Rettungsaktion" profitiert vor allem die Mittelschicht, denn Wahlen stehen vor der Tür. Gewinner bei den Neuzulassungen sind übrigens Hyundai I30 (+810%) und Ford KA (+692%), Ladenhüter bleiben Opel Astra und Opel Meriva (- 18% bzw - 40%) (Quelle Handelsblatt 12.03.90). Verlierer sind auf lange Sicht die kleinen KFZ-Werkstätten und der Gebrauchtwagenhandel.

Wann ist eine Krise eine Krise? Millionen Menschen kennen sie bereits und Arbeitslosigkeit, Kurzarbeit und Wegfall der Überstunden werden weiterhin Menschen in eine Krisensituation stürzen. Aber mit Verlaub: Anfang 2005 waren mehr als 5 Millionen Menschen ohne Arbeit und niemand redete von der größten Wirtschaftskrise seit den 30er Jahren des letzten Jahrhunderts. Keine Frage, da kommt noch mächtig was auf uns zu, aber nicht alles hat mit dem Zusammenbruch der Finanzwirtschaft zu tun. Die Fälle Märklin, Schiesser, Rosenthal, Qimonda und Opel sind z.T. auch Ausdruck von Mißmanagement, Arroganz und Unfähigkeit. Unser Wirtschaftssystem verlangt die permanente Anpassung der Unternehmen an den Markt. Die mittelständischen Firmen wissen das und wenn sie das nicht schaffen, verschwinden sie sang- und klanglos. Bleibt zu hoffen, das die selbsternannten und gewählten Krisenmanager mit Verstand zu Werke gehen. Das Jammern der Großen verschleiert den Blick auf all jene, die sich schon heute und in Zukunft der individuellen Krise stellen müssen - und diese Menschen brauchen Hoffnung und Perspektiven.

 

Video - Das Gesicht 2010

Video - Das Gesicht 2009