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Nackte Gier

Überall ist es zu lesen und zu hören: Die Regierungen der Industrienationen schnüren das größte Rettungspaket, das die Welt je gesehen hat – und allen voran unser aller Obama. Tausende von Milliarden Euro werden zur Verfügung gestellt, um die Welt zu retten. Endlich beginnt der Kampf gegen Hunger, Armut, AIDS und Seuchen, gegen Zwangsprostitution und Kinderarbeit! Stop, weiterlesen! Gerettet werden soll nicht die Menschheit, die in Hunger und Elend lebt, sondern einige Dutzend Finanzinstitute, die in ihrer hemmungslosen Gier nach Profiten zuerst die Finanzwirtschaft und nun auch die sogenannte Realwirtschaft an den Rand des Abgrundes gebracht haben und teilweise noch einen Schritt weiter. Robin Hood einmal anders. Beraube den Steuerzahler und gib es denen, die in den letzten Jahren Milliarden durch waghalsige Transaktionen gescheffelt haben und nun am Tropf des Staates hängen.

 

Und da nun angesichts des drohenden Zusammenbruchs das Geld nur so rausgeschmissen wird, wollen auch die Vertreter der gebeutelten Realwirtschaft ihren Teil vom Geldsegen abbekommen. So reisten die Chefs von GM, Ford und Chrysler mit dem Firmenjet nach Washington, um auf ihre dramatische Lage aufmerksam zu machen. Das ist so glaubwürdig, als wenn ein Hartz IV-Empfänger mit dem Rolls Royce vorfährt. Da dürfen die deutschen Unternehmen natürlich nicht pennen und flugs will auch die Schaeffler-Gruppe das Geld des deutschen Steuerzahlers. Die hatte sich bei der Übernahme von Conti voll verkalkuliert und nun soll das unternehmerische Risiko der Staat – also wir alle übernehmen. Zumindest bis wieder Profite anfallen – die wird sich Schaeffler natürlich wieder selbst einsacken. Während täglich in der Presse die Zukunft von Schaeffler/Conti diskutiert wird, zeigt sich

Inhaberin und Milliardärin Maria-Elisabeth Schaeffler für wenige Minuten bei einer Demonstration zur Erhaltung der Arbeitsplätze und winkt unter Tränen den Mitarbeitern zu. Danach nehmen Sie und ihr Sohn Georg an Protestversammlung teil und fordern staatliche Finanzhilfen. Welch ein Hohn.

Da stellt man sich die Frage, wieso Börsianer und Spekulanten nicht reihenweise aus den Fenstern ihrer Glitzerpaläste springen, wie sie es angeblich am "schwarzen Freitag" 1929 getan haben und lediglich der einst fünfreichste Deutsche Adolf Merckle mit Hilfe der Deutschen Bundesbahn persönliche Konsequenzen seiner Fehlspekulationen gezogen hat. Die Anwort ist einfach. Der Rettungschirm der Steuerzahler sorgt auch dafür, dass viele der Verursacher dieser Krise angenehm weich fallen und für den Rest ihres Lebens ausgesorgt haben. Da hat die Commerzbank, die mittlerweile zu 25% dem Staat gehört und sich 18,2 Milliarden Euro gepumpt hat, die Dresdner Bank übernommen und damit die Verpflichtung hat, nun Bonuszahlungen in Höhe von 400 Millionen an die erfolg- und skrupellosen Investmentbanker zu zahlen. Merryll Lynch in den USA bekam 230 Milliarden Staatsknete und schüttete kurz vor dem Verkauf an die Bank of America noch 3,6 Milliarden an Bonuszahlungen aus. Insgesamt wurde 2008 die Summe von 18,4 Milliarden Dollar an Boni gezahlt. 1,6 Milliarden Dollar des Geldes, das US-Steuerzahler zur Rettung ihrer Banken berappten, flossen direkt in die Taschen von Top-Managern (Der Spiegel 08/09). Kein Wunder also, dass der Massensuizid ausgeblieben ist, wo doch die Verursacher der Krise gleichzeitig zu den Profiteuren gehören. Gier ist eben doch geil.

Und die wirklichen Verlierer, die Kleinaktionäre, die Bankberatungsopfer und all jene, die durch die Spekulantengier ihren Job verloren haben und verlieren werden, haben zu sehr mit ihrem Überlebenskampf zu tun, als auf einen pünktlichen Mehdorn-ICE zu warten.

Ausgabe 03 - 09

 

Video - Das Gesicht 2010

Video - Das Gesicht 2009