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Ute Walter, Bereichsleiterin Wertpapiere bei der Sparkasse Dortmund

Ute Walter ist Jahrgang 1964. Nach dem Abitur im Jahre 1984 stand auch bei ihr wie bei so vielen Frauen die Entscheidung an: Studium oder Ausbildung?

Sie entschied sich ganz pragmatisch für eine Ausbildung, um erst einmal eine solide Basis für ihr weiteres Leben zu haben. Das Studium könnte ja im Anschluss an die zweijährige Ausbildung bei der Sparkasse Dortmund folgen. Ute Walters Leidenschaft waren damals Sprachen, ein Studium in dem Bereich hätte sie sich gut vorstellen können. Doch es kam alles ganz anders.

 

Nach der Ausbildung blieb Ute Walter erst einmal bei der Sparkasse, denn so recht konnte sie sich nicht für einen Studiengang entscheiden. Der Zufall wollte es, dass sie 1987 in der Wertpapierabteilung eingesetzt wurde. Zu dem Zeitpunkt gab es schon einmal einen Boom am Aktienmarkt und das Transaktionsaufkommen in der Sparkasse erforderte viele neue Arbeitsplätze in der Wertpapierabteilung. Damals wurde die Orderannahme noch telefonisch abgewickelt. Ute Walter schwärmt noch heute von dieser direkten Kommunikation: An dem einen Telefonhörer hatte sie einen Broker an der Wallstreetbörse in New York, auf der anderen Leitung war der Aktienkäufer.

Arbeit wird zur Leidenschaft

Irgendwann war die Frage nach einem Studium gar nicht mehr da. Ute Walter entwickelte eine Leidenschaft für ihre Arbeit, besonders im Bereich Wertpapiere. Statt des Studiums machte sie nun eine Weiterbildung zur Sparkassenbetriebswirtin, die überwiegend berufsbegleitend war. Über verschiedene Stationen, wie zum Beispiel als stellvertretende Geschäftsstellenleiterin in Dortmund oder als Marktbereichsleiterin bei der Sparkasse Iserlohn, kam Ute Walter auf Anfrage der Wertpapierabteilung zum Jahrtausendwechsel wieder zurück zur Hauptstelle der Sparkasse Dortmund. Dort hat sie die Abteilung als Bereichsleiterin Wertpapiere neu strukturiert. Im Ruhrgebiet gibt es keine vergleichsweise Position bei einer anderen Bank, die auch von einer Frau bekleidet wird. Mit ihrer Position als Bereichsleiterin Wertpapiere zeigt Ute Walter auch anderen Frauen, wie ein erfolgreicher Werdegang in einer vermeintlichen Männerdomäne umgesetzt werden kann.

Interview

Frau Walter, Sie haben mir Ihren Werdegang erzählt. War dieser Weg für Sie als Frau in einer Männerdomäne denn so glatt?

Ute Walter: Ja, er war tatsächlich ohne Stolperfallen für mich. Ich hatte nicht einmal das Gefühl, von meinen Kollegen offensichtlich angefeindet zu werden. Neidformulierungen oder Missgunst habe ich nicht erlebt. Sicherlich liegt das auch daran, weil die Sparkasse traditionell viele Frauen in den unterschiedlichen Abteilungen beschäftigt. Gerade im Bereich der Geschäftsstellen und Vermögensmanagements ist der Anteil der weiblichen Führungskräfte hoch.

Wie sehen Sie die Entwicklung der Finanzen bei den Frauen?

Ute Walter: Ich denke, dieser Bereich ist nach wie vor problematisch. Noch immer denken zu wenige Frauen über die Möglichkeit nach, ein eigenes Vermögen zu erwirtschaften. Im Alter haben sie dann oft nur eine kleine Rente, mit der sie kaum leben können. Dabei reicht schon ein kleiner Geldbetrag, den man in ganz jungen Jahren zum Beispiel in Investmentfonds monatlich einsetzt, um später eine solide Altersversorgung zu haben.

Das Thema ist doch schon lange bekannt, wird auch von Regierungsseite in der Öffentlichkeit diskutiert, weshalb zögern so viele Frauen noch?

Ute Walter: Weil Frauen oft noch in den traditionellen sozialen Normen funktionieren. Viele verlassen sich noch immer in vermögensbildenden Angelegenheiten auf ihre Ehemänner. Bei einer Mehrzahl der Frauen fehlt oft die Energie, sich selbstständig mit dem Thema Anlagemöglichkeiten auseinander zu setzen. Deshalb legen sie ihr Geld lieber in Sparverträgen an. Das ist natürlich wenig gewinnbringend.Es gibt eine Studie vom DIA-Institut (deutsches Institut für Altersvorsorge). Danach wissen 90 Prozent der befragten Frauen, dass sie schlecht vorgesorgt haben, aber nur 25 Prozent sind bereit, daran sofort etwas zu ändern. Das ist die negative Seite. Die positive: Wenn sich Frauen doch auf das Thema einlassen, dann kommt ihnen ihr Bedürfnis nach Sicherheit zugute. Sie werden selten wilde Zockerinnen, die ihr ganzes Geld auf eine Karte setzen. Manche leiten daraus ab, dass Frauen die besseren Anleger sind, aber darum geht es gar nicht. Ich wünsche mir vielmehr, dass sich das Verhältnis der Frauen zum Geld normalisiert und ich möchte die Freude der Frauen am Thema wecken.

Kann man den richtigen Umgang mit Geld lernen?

Ute Walter: Sicherlich. Das Wichtigste beim Umgang mit Geld ist, dass insbesondere Frauen prüfen, was sie mit dem Geld erreichen wollen. Dabei spielt die eigene Lebensplanung die entscheidende Rolle. Ich denke, der Umgang mit Geld im eigenen Bereich müsste genauso geplant werden wie Unternehmer ihr eigenes Unternehmen planen, das heißt, wo möchte ich in zehn, in dreißig Jahren sein?

Welchen Rat können Sie den Frauen geben?
Ute Walter: Verlassen Sie sich nicht auf die gesetzliche Rentenversorgung! Ohne zusätzliche private Absicherung droht Altersarmut. Wir kennen inzwischen sehr individuelle Rentenlösungen, auch für wechselhafte Lebensläufe. Auch wer einen 400 Euro Job hat, kann zum Beispiel von der Riester Rente profitieren. Ich kann ansonsten nur allen Frauen raten, sich mit dem Thema Geld zu beschäftigen und dabei die eigene Person in den Mittelpunkt zu stellen.

Das Gespräch führte Regina S. Hartwig

Nachtrag

Die Fragen nach dem Verhältnis von Frauen zu Geld im Allgemeinen und zu Börsenthemen im Besonderen ist von einigen zum Teil wissenschaftlich belegten Tatsachen geprägt. Andere Erkenntnisse beruhen auf Schätzungen und Beobachtungen. Diese besagen zum Beispiel, dass Frauen 50 % ihres Geldes auf Sparkonten anlegen. Also in einer sehr sicheren, aber auch wenig gewinnbringenden Anlageform.

Frauen wägen bei Anlageentscheidungen Alternativen sorgfältig ab. Sie wollen die Konsequenzen erkennen.

Wenn Frauen im Alter von 18 bis 35 Jahren nach einer Möglichkeit suchen, sich ein Ver-mögen aufzubauen oder ihr Vermögen gewinnbringend und vor allem flexibel anzulegen, dann ändert sich bei zwei von drei Frauen dieser Altersklasse laut einer aktuellen Studie die Lebenssituation mehrfach radikal. Doch ganz gleich, ob frau sich für die Familie oder für die Arbeit entschieden hat, ob für die Altersvorsorge oder für eine mittelfristige Anschaffung gespart werden soll: Wichtig ist, mit dem Vermögensaufbau so früh wie möglich anzufangen.

Je weiter das Ziel zeitlich entfernt ist, um so chancenreicher kann investiert werden. Risiken können durch eine gezielte Streuung verringert und Wertschwankungen abgemildert werden. Eine Geldanlage in Aktien ist kein Teufelswerk.

Diversen Studien zufolge liegt der Wertzuwachs einer Aktienanlage über einen längeren Zeitraum deutlich über dem Anlageerfolg einer Geldanlage mit fester Verzinsung. Die Rendite von Aktienfonds wird in Deutschland insgesamt unterschätzt. Auf die Frage, wie viel Geld man heute zur Verfügung hätte, wenn man vor 20 Jahren 10.000 Euro in einen euro-päischen Aktienfonds investiert hätte, sind 35 % der Deutschen der Meinung, dass man weniger als 18.000 Euro hätte. Tatsächlich jedoch beliefe sich die Summe auf fast das doppelte, nämlich rund 37.720 Euro, fast viermal so viel wie das eingesetzte Kapital. Die mit Hilfe eines Sparbuchs angesammelte Summe hätte nicht einmal bei 15.000 Euro gelegen (Quelle: Fonds professionell).

Eine alte Börsenweisheit sagt: "Kaufe nur, was Du kennst!" Und das beherzigen Frauen nur zu gut. Denn einerseits ist das sicher richtig, andererseits verpassen Frauen aber auch Chancen. Frauen scheuen Investitionen, die sie nicht genau verstehen. Da hilft nur eins: fragen, fragen, fragen.

Auch wenn vermeintlich "männliches Herrschaftswissen" wie die Erläuterung der Abseits-regeln beim Fußball längst vom weiblichen Geschlecht erobert ist: Begriffe wie "Asset-Allocation", "Volatilität" oder "Korrelation" vermitteln weiterhin nicht gerade den Eindruck, dass "nichts spannender ist als Wirtschaft". Da bleiben Sushi-Bonds manchmal eine japanische Spezialität aus rohem Fisch.

Gerade für Frauen und gerade bei Frauen, die die Möglichkeit haben, über einen längeren Zeitraum Geld anzulegen oder anzusparen, ist die Investition in chancenreichere Anlageformen sehr wichtig. Also: Machen Sie sich schlau! Die Börse ist weiblich!

Ausgabe 10. 2007

 

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