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Allein unter Männern

Ein Studium an der RWTH Aachen, ein Referendariat im Braunkohletagebau, zwischenzeitlich zuständig für den größten Schaufelradbagger der Welt im Abbaugebiet Garzweiler am Niederrhein. So liest sich der Lebenslauf eines erfolgreichen ‚graduate engineers‘ bei RWE Power. Das Besondere daran: Dieser Ingenieur ist eine Frau.

Um das komplexe Arbeitsfeld kennenzulernen, war Veronika Gau nach ihrem Einstieg bei RWE Power zunächst das „Mädchen für alles“: Sie arbeitete als Schichtleiterin, Bereichssteigerin und im Leitstand der Betriebsüberwachung. Zwischenzeitlich war sie für den größten Schaufelradbagger der Welt zuständig. Mittlerweile ist die Zukunft des Bergbaus das Hauptprojekt der 30-Jährigen. Ihre Aufgabe im RWE-Technikzentrum in Frechen: Forschen und Entwickeln, um den Braunkohleabbau noch umweltfreundlicher und effizienter zu gestalten. „Die Kohle spielt im Energiemix eine wichtige Rolle“, so Gau. „Ich habe diese Herausforderung gesucht, denn Bergbauingenieurin zu sein, bedeutet weit mehr als Kohle abzubauen.“

 

Laut VDI beträgt der Anteil an Frauen im Ingenieursberuf nur zehn, im Bergbau sogar nur sechs Prozent. Dabei bestehen auch für Frauen glänzende Berufsaussichten, wie Veronika Gaus Karriere bei RWE Power beweist. Im nachfolgenden Interview erzählt sie von ihrer ungewöhnlichen Karriere. (jh)

 

Warum haben Sie sich gerade für diesen Beruf entschieden?

Ich war schon immer technikbegeistert, konnte mir daher ein Studium in Naturwissenschaftlichen Fächern gut vorstellen. Experte nur auf einem Gebiet wie beispielsweise Mathematik, Physik oder Biologie fand ich jedoch zu eintönig und deshalb nicht erstrebenswert. Das Ingenieurstudium für Bergbautechnik bot - und bietet heute immer noch - ein sehr abwechslungsreiches und breites Spektrum an zu erlernendem Wissen und späteren Aufgabenfeldern. Neben den klassischen Ingenieurfächern (Mathe, Physik, Chemie) standen im Studium auch BWL/VWL, Recht (Bürgerliches-, Öffentliches-, Umwelt- und Bergrecht), Mineralogie, Geologie, Bergbauplanung, Petrographie, Maschinenkunde sowie Tagebautechnik auf dem Plan.

 

Da Bergbauingenieure in allen Bereichen der Mineralischen Rohstoffgewinnung und Verarbeitung benötigt werden, gibt es sowohl in Deutschland – allein hier sind es über 4.000 Steine und Erden Betriebe - als auch weltweit eine Vielzahl an interessanten Tätigkeitsfeldern.

 

Was genau haben Sie studiert, wie lange dauerte das Studium und wie sah Ihr Bildungsweg aus, um heute diese Position bekleiden zu können?

Ich habe an der RWTH Aachen Bergbau mit der Fachrichtung Gewinnung und Aufbereitung der Steine und Erden studiert. Die durchschnittliche Studiendauer für diesen damaligen Diplom-Studiengang betrug 14,7 Semester. Regelstudiendauer (also das was theoretisch min. benötigt wird) waren 9 Semester. Ich habe mein Studium mit 23 Jahren nach 7 1/2 Semester mit der Diplomarbeit abgeschlossen. Heute wird dieser Studiengang in Aachen als Masterstudiengang angeboten. Ich glaube die Regelstudiendauer beträgt heute auch 9 oder 10 Semester. Während des Studiums sind Praktika in unterschiedlichen Bergbaubereichen zu absolvieren, welche selbst zu organisieren sind. Für die Praktika gibt es zwei Möglichkeiten. Entweder man absolviert diese als Student unter "Aufsicht der Hochschule" (damals waren das etwa 120 Schichten bzw. Tage) oder man meldet sich bei der Bezirksregierung Arnsberg, Abteilung 6 Bergbau und Energie in NRW, als Bergbau-Beflissener und muss 200 Schichten Praktikum unter Aufsicht der Bergbehörde leisten. Diese "Beflissenen-Ausbildung" ist zudem eine Voraussetzung für die Arbeit bei der Bergbehörde.

 

Nach Ihrem- in erstaunlich kurzer Zeit - erfolgreich abgeschlossen Studium haben Sie noch ein Referendariat zur Assessorin des Bergfachs bei der Bezirksregierung Arnsberg absolviert. Warum?

Das 2. Staatsexamen ist erforderlich, sofern man im höheren Staatsdienst tätig sein möchte.

Dieses dauert 2 1/2 Jahre und wird mit der Prüfung zum 2. Staatsexamen abgeschlossen.

Für die Arbeit als Führungskraft in der Industrie ist ein Diplomstudium ausreichend, der Abschluss als Assessorin ist jedoch hilfreich, da man dadurch einen sehr guten Eindruck von behördlichen Vorgängen, Politik und rechtlichen Belangen zu Genehmigungsverfahren erhält. Dieses Wissen und Netzwerk ist in der Industrie auch hilfreich.

 

Was sind die fachlichen und persönlichen Voraussetzungen für dieses Studium und Ihren Beruf?

Die fachlichen Voraussetzungen sind Abitur, logisches Denken, strukturierte Vorgehensweise und ein mathematisch-technisches Verständnis. Die persönlichen Voraussetzungen sind

gute Selbstorganisation (Zeitmanagement), Fähigkeit zur Beurteilung von Prioritäten; soziale Kompetenz, das heißt offenes, selbstbewusstes Auftreten, zuhören, fördern und fordern, führen können; Teamfähigkeit; bei Arbeiten im Team mit Kollegen ist die Fähigkeit zu motivieren und zu überzeugen sehr hilfreich. Und nicht zuletzt das persönliche Engagement für die Aufgaben.

 

Bleibt Ihnen neben dem Beruf noch genügend freie Zeit – und wie sieht es überhaupt aus mit der Vereinbarkeit von Beruf und Familie?

Ich bin verheiratet, habe aber keine Kinder. Auch wenn ich in der Regel keinen 8 Stunden Tag habe, lassen sich Beruf, Freizeit und Hobbies (Basketball, Chor, Freunde, Reisen) gut vereinbaren. Wo ein Wille, da ist auch ein Weg und wenn man im Beruf koordiniert und plant, geht das im Privaten ebenfalls. Von Kolleginnen etwa weiß ich, dass es durchaus möglich ist, mit Kind und reduzierten Stunden im Job zu bleiben.

 

In Ihrem Beruf sind Sie „allein unter Männern“ – was sind Ihre Erfahrungen?

Grundsätzlich habe ich sehr gute Erfahrungen mit den durchgehend männlichen Kollegen gemacht - auch während einem Jahr im untertägigen Steinkohlenbergbau waren es durchweg positive Erfahrungen. Dabei ist es immer eine Frage wie man auf Mitarbeiter und Kollegen zugeht. Arrogant und abgehoben hilft nicht weiter, da würde man dann als Neuling oder auch alter Hase ganz schnell Auflaufen. Das heißt, wie man in den Wald hinein ruft, so kommt es auch zurück. Also auch mal mit anpacken, Präsenz zeigen und Vorgesetzten selbstbewusst gegenüber treten. Ich habe hoch motiviert mein Studium absolviert und freue mich täglich auf die Arbeit mit den Kollegen vor Ort oder im Büro.

Ausgabe 02-2011

 

 

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